Daniel Johnston: Beam me up!

29.03.10

beam-me-upÜberstrapazieren sollte man die Geschichte des Mannes mit der traurig-windschiefen Stimme nicht, doch die Musik als auch die Biografie Daniel Johnstons lässt sich ohne das Wort “Tragik” einfach nicht umschreiben. Nun hat der skurrile Homerecording-Slacker ein neues Album aufgenommen und entgegen der bekannten Lo-fi-Skizzenästhetik ist “Beam Me Up!” zusammen mit einem niederländischen Orchester entstanden. Diese unerwartete Kooperation besitzt unterschwellig stets einen antagonistischen Charme und doch ist alles irgendwie im Fluss. Geboten wird eine Werkschau Daniel Johnstons und die neuen Arrangements ergänzen die anrührend-grotesken Lieder des manisch depressiven Künstlers, den einst Kurt Cobain zu unzweifelhaften Ruhm brachte und der seitdem via vertonten Seelenstrips immer wieder Signale ins vermeintliche normale, gesunde Leben sendet, in angemessener und nie zu opulenter Weise. “Syrup of Tears” wird zu einem liebreizenden 70er Jahre Pop-Spektakel, während der gekrächzte Text den musikalischen Honigtoast mit emotionalen Strychnin bestreicht. I love you more than myself…

Merkwürdig, dass Aufnahmen wie “Must” gleichzeitig zutiefst anstrengend und doch auch so faszinierend sein können. “Wicked World” klingt wie die adäquate Marschmusik für eine geradewegs auf die Klippe zuhaltende Lemmingparade an einem sonnengefluteten Tag. “Mask” nistet sich unweigerlich im Herzmuskelhotel ein und checkt nicht mehr aus. “Devil Town” ist ebenfalls so ein wunderbar und zugleich schauriger Augenblick, so schwermütig und federleicht zugleich. “Walking The Cow” ist sogar fast schon tanzbar. Strange things are happening…in jedem Fall. “Last Song” bringt das Kassettenrekordergefühl zurück und ist doch nicht der namentlich angekündigte. “Beatles” schwebt dann  nämlich noch einmal als Schlusshymne über dem muskalischen Potpourri eines ungewöhnlichen Menschen und Musikers, der nie in seinem körperlichen und psychischen Halswasser abgesoffen ist und dennoch nicht so richtig das Schwimmen gelernt hat. Prädikat: speziell!

(HazelwoodVinyl Plastics, VÖ  26.3.2010)

Tags: , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*