Dilettantismus und Avantgarde gehen bereits seit dem Fin de siècle um 1900 immer wieder enge Verbindungen ein und in die selbe Kerbe schlagen nun Herpes ihr grünspaniges Hackebeil. Nicht nur der abstoßend-anachronistische 80er Jahre Deutschpunkbandname wirkt kalkuliert unbeholfen und nostalgisch. Den Sound der Berliner Herpes, jedenfalls von der gerade einmal 2 Song starken “Very Berlin”-Single ausgehend, hat man ebenfalls schon 200 Mal gehört und doch greift hier das Prinip, welches auch immer wieder Trash und B-Movies zu einem heiteren Zeitvertreib werden lässt. Man weiß, was passiert und dennoch kann man sich daran belzebubisch erfreuen.
Wenn man dann mit dem primitiven Stomper “Very Berlin” 1,2,4 mal die ach so kostbare Zeit verdroschen und auf diese Weise das eigene Hirn wie ein Frühstücksei hart gekocht hat, dann findet man alles gut (Grüße an Carsten Friedrichs). Der hyperventilierende Gesang und das Tastenstakkato rollen dem knackig-pointierten Text den blutroten Teppich aus. “Keine Experimente” verlässt sich auf eine ähnlich monotone Struktur, fällt jedoch im direkten Vergleich ein wenig raus und wirkt nicht ganz so schwurbelig und frisch-verranzt. Dennoch ist auch hier genug Sputum vorhanden, um ordentlich ins Öhrchen zu gleiten. Zwischen avantgardistischem Mittelfingerzeig, (Art-)Punksozialisation und Fehlfarben meets Goldene Zitronen Ästhetik lässt sich ganz ungeniert abgehen.
Schwer zu sagen, in welche Richtung der Zug Herpes entgleisen wird, in der entstehenden Schneise, quer durch die nebelgraue Landschaft der musikalischen Vorvergangenheit, lässt sich prima abspacken und das hier ist Postpost-Pop für die 10er Jahre. Mal sehen, was der Langspieler so an vertrauten Merkwürdigkeiten zu Tage födern wird. “Das kommt vom Küssen” erscheint am 26. März via Tapete Records.
[...] Was: Generation Fuck Party im Pretty Vacant. Neben DJ-Sets von Calamity Kate, Jeff Smart und Fiete, wird die Berliner Art-Punkband Herpes in der Modestadt rocken. Da wächst was folgerichtig zusammen, schließlich ist der Herpes Sound ohne die Düsseldorfer Fehlfarben nur schwer denkbar. Dass die Berliner noch ganz andere Einflüsse auf die Bretter bringen können, sei gewiss. Zudem können bereits bei dem Konzert Exemplare des am 26. 3. erscheinenden Album “Das kommt vom Küssen” erworben werden. Review zur Single “Very Berlin”? Hier lang! [...]