Vampire Weekend: “Contra” - revolutionär?

30. Dezember 2009, von jan

vw-contraBeim Indiepop-Topfschlagen 2008 hatte eigentlich niemand die New Yorker Band, deren Name eher auf Gothic Rock oder Emocore schließen ließe, auf dem pseudo- prophetischen Wettzettel und doch haben Vampire Weekend die kakaohaltigen Süßwaren bei Kritikern und Publikum abgesahnt. Angesichts der eingängigen, aber eben auch stark eigenwilligen Kompositionen verwunderte es schon, dass der präsentierte Sound zwischen zeitgenössischem Indierock, Afrobeat und 80er Pop Ästhetik derartig flächendeckend verzücken konnte, dass selbst der Online-Auftritt eines bekannten Nachrichtenmagazins von der “buschtrommelnden” Band aus dem Big Apple berichtete. Nichtsdestotrotz stützt sich die allgemeine Begeisterung für Vampire Weekend auf einem mehr als soliden Fundament, denn es sind wirklich keinerlei Baumängel beim selbstbetitelten Erstling zu erkennen. Dass man mit “A-Punk” einen waschechten Tanzflächenfüller an Bord hatte, war der Beliebtheit ohnehin zuträglich - “Look outside at the raincoats coming, say oh” -, doch auch der Rest der dargebotenen Songstaffage wusste gepflegt zu unterhalten, egal ob man nun “Oxford Coma”, “The Kids Don’t Stand A Chance”, “Campus” oder “Cape Cod Kwassa Kwassa” als persönlichen Liebling auserkoren hatte, auch wenn man irgendwie die ganzen herbei zitierten Paul Simon Reminiszenzen nicht mehr so recht beachten wollte, obwohl diese in der Tat nicht so ganz aus der Luft gegriffen waren.

Nun müssen die vier Überraschungseier Ezra Koenig, Rostam Batmanglij, Chris Baio und Christopher Tomson dank potenzierten Erwartungsdruck neues Material unters Brennglas der Öffentlichkeit legen, was endgültig am 8. Januar mit dem Release des zweiten Albums “Contra” passieren wird. Ob der gewählte Titel gleich einmal als Absage jeglichen Anspruchs der Rezipienten zu werten ist? Das im Vorlauf verschenkte “Horchata” ist doch eher als angenehme Fortführung des eingeschlagenen Wegs zu sehen, als dass man von einer Bruchstelle reden könnte. Die erste Single “Cousins” ist zwar irgendwie ganz interessant-zackig geartet , allerdings nicht gerade so schmissig wie “A-Punk” - Geschmacksbaustelle, keine Frage! Der Musikexpress hat mit Erscheinen der Januar-Ausgabe in der ersten Dezemberhälfte “Contra” als Platte des Monats gehuldigt, was erstmal für Zuversicht gesorgt hat, schließlich ist die Redaktion besagten Magazins eher für kritische Distanz bekannt und relativ heiße-Luft-resistent. Nicht weniger als den “Abgesang auf den Indierock” sieht Kollege Frank Sawatzki in dem neuen VW-Werk, entschuldigt den Kalauer. Aberwitzige Stil- und Instrumentengemetzel scheinen auf den Zuhörer zu lauern und übermütig ins Gesicht springen zu wollen. Ob das ganze funktioniert, ich bin gespannt, ob es tatsächlich den kombinierten Abgesang- und Neuanfangseffekt für ein mutmaßliches Genre haben wird, darf eher bezweifelt werden. Wer über Musik schreibt, lässt sich doch dabei immer wieder im pathetischen Ton gehen, dass weiß doch jeder und das ist auch gut so. Möge “Contra” dennoch ein echter Mitreißer werden.

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