Okkervil River: Black Sheep Boy (Definitive Edition)

14.12.09

black-sheep-boyEigentlich ist es ein Sakrileg, einen Beitrag zu diesem modernen Klassikeralbum mit einem platten Sprichwort zu eröffnen, but here it comes: Gut Ding will Weile haben! Zum ersten Mal überhaupt erscheint bald (18.12.) das 2005er Durchbruch-Album Black Sheep Boy von Okkervil River samt der, wie der Titel schon sagt, nachträglichen Appendix-EP nebst einem zusätzlichen Bonus-Song und das in doppelter Polyvinylchlorid-Ausführung. Der Veröffentlichungszusatz “Definitive Edition” ist also stichhaltig, was bei solchen kaufanregenden Labelmaßnahmen nicht immer selbstverständlich ist. Im Falle JAGJAGUWARs verbieten sich solche Unterstellungen ohnehin, denn gerade die Vinyl-Veröffentlichungen des Labels aus Bloomington (Indiana) präsentieren sich stets als Sorglospaket, sprich kommen mit dickem Vinyl, Hochglanz-Gatefold und zumeist mit Download-Code daher, aber zurück zum wirlich Wesentlichen, der Musik. Mit Black Sheep Boy hat sich Songwriter Will Sheff vor bald 5 Jahren beinahe urknallartig in die angsehenste Garde amerikanischer Songwriter katapultiert, obwohl es bereits das dritte Album der texanischen Band Okkervil River war.

Ganze Kübel voll güldenen Lobes haben sich über Sheff ergossen und dies beeinhaltet auch die populäre Tagespresse wie die New York Times. Gerade die poetischen Qualitäten sind es, die neben dem abwechslungsreichen Neo-Folk-Rock besonders hervorgehoben werden, beispielsweise sei hier das großartig-eingängige “Black” genannt, das auf der Label-Seite als Free Download bereit steht. Die nun auf der Doppel-LP mit veröffentlichten 7 Songs der Appendix-EP sind keinesfalls Restware oder gar Abfälle aus der Songwriter-Küche Sheffs, sondern vielmehr eigenständiges Qualitätsmaterial, das ein bereits grandioses Album noch einmal glasiert. Sahnehäubchen ist der bisher nur auf der “For Real” CD-Single enthaltende Song “The Next Four Months”, aber damit genug der bildhaften Sprache, die Will Sheff ohnehin viel besser, gar in Perfektion in seinen Lieder ausbreitet, so dass das Label keineswegs zu Unrecht von Märchen für Erwachsene spricht.

Wer Black Sheep Boy noch nicht sein eigen nennt, sollte  sich nicht lange grämen, dieses Album erst so spät für sich entdeckt zu haben, sondern rasch bei der Definitive Edition zu greifen, denn eines ist doch wohl klar, nämlich das Plattensammler und Nerds auch ganz wild auf diese erstklassige Veröffentlichung sind und wann und ob es Nachpressungen geben wird, wer weiß das schon. Also sollte man sich einfach mal von der versinnbildlichten Vortäuschung verknappter Ressourcen anstecken lassen, denn das hier ist kein Waffeleisen in einem Elektronikdiscounter, das ist Kunst für Audiophile.

Tags: , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*