Martha Wainwright’s Piaf Record: eine Verbeugung

28. November 2009, von jan

Die Pmartha-wainwrights-piaf-recordiaf! Der Grande Dame des Chanson und ihrem skandalumwitterten Leben wurde 2007 mit “La vie en rose” ein filmisches Denkmal gewidmet, bei dem nicht nur das schrullig-exzentrische Verhalten von Madame Piaf in den Fokus gerückt wurde, sondern vor allem die außergewöhnliche Künstlerin im Schlaglicht erstrahlte. Bei allen bestehenden Kontroversen. Einen anderen Weg, sich dem Werk der Piaf zu nähern, wählt die kanadische Folksängerin Martha Wainwright mit ihrem neuen Album Sans Fusils, Ni Souliers, A Paris. Erfreulicherweise verwendet Martha Wainwright nicht einfach die größten Erfolge Edith Piafs, sondern präsentiert eine heterogene Mischung aus bekannten und weniger bekannten Chansons. Was allerdings noch viel wichtiger als dieser Umstand zu sein scheint, ist die Tatsache, dass Wainwright mit Leib und Seele, mit Leidenschaft und Leidensfähigkeit, letztlich mit beeindruckend kraftvoller Stimme die Piaf gibt, ihre Lieder revitalisiert, mehr noch, sie singt, als seien es ihre eigenen. Ein größeres Kompliment kann einer derartigen Arbeit kaum ausgesprochen werden und gleichzeitig kommt die adaptierende Künstlerin mit den Liedern selbst ihren potentiellen Kritikern  zuvor, die den Sinn und Zweck eines solchen Cover-Albums anzweifeln könnten.

Sans Fusils, Ni Souliers, A Paris wurde im Juni dieses Jahres  im New Yorker Dixon Place Theatre in insgesamt drei Sessions aufgenommen, was dem ganzen eine wunderbare, äußerst authentische Stimmung durch die Live-Situation verleiht. Besonders gut steht dieses Gewand den stürmischen Momenten, wenn Martha Wainwright mit ihrem Gesang und ihrem Pianospiel den Raum allein zu füllen scheint, wobei die für diesen Anlass zusammengestellte Begleitband das ihre tut, um den Charme der Originalsongs auf den Tonträger zu bannen. Martha Wainwrights charakteristische Stimme scheint geradezu ideal mit den Chansons zu harmonieren, was vermutlich auch an der besonderen Bedeutung liegt, die Edith Piaf für Wainwright in ihrer Kindheit einnahm. Bereits seit dem achten Lebensjahr ist die Kanadierin, die inzwischen im Big Apple daheim ist, mit dem Werk der französischen Chanteuse vertraut, was den Zugang, den Prozess des Einfühlens vermutlich erleichterte.

Martha beginnt ihr Edith-Album mit einer Interpretation von “La Foule”, die geradezu wie ein Walzer, sich leichtfüßig, aber bestimmt durch das Zimmer bewegt. Der Einstieg in das fast 55minütige, zutiefst emotionale Werk ist geglückt, wenn nach dem flotten Beginn des Openers mit “Adieu Mon Coeur” musikalisch zum erswainwright-piaften und nicht zum letzten Mal das Schnupftuch herbei zitiert wird. Das ruhige “Une Enfant” führt diese Stimmung fort, während “L’Accordéoniste” erneut die ausgesprochene Lebenslust der Piaf präsentiert. Ein Leben voller Widersprüche und ein musikalisches Oeuvre so spannungsreich wie die Person selbst, Martha Wainwright wird zumindest dem letzten in ausgezeichneter Weise gerecht. Bei “Le Brun Et Le Blond” assoziiert man als Hörer eher eine verrauchte Pariser Spelunke als das New Yorker Theater. Tja, Chapeau! “C’est Toujours La Même Histoire” gehört sicher auch zu den erwähnenswerten Höhepunkten des Albums, da hier gerade das Auf und Ab der Chansons besonders charakteristisch zur Geltung kommt. “Non, La Vie N’est Pas Triste” erscheint als ein gelungenes Abbild von Wainwrights Vorbild, beides verschmilzt, wirkt kaum noch von einander trennbar. Wozu auch. Dann plätschert das Album für wenige Minuten vor sich hin bis “Le Metro de Paris” wieder die gesamte Aufmerksamkeit einfordert, keine zwei Minuten lang, aber so herrlich exzentrisch. “Le Chant D’Amour” fliegt bereits dem Ende entgegen, dann eine Spieluhrmelodie und mit “Les Blouses Blanches” ein dramatisches Störfeuer mit großer Dynamik - Gelächter, Applaus, Stille!

Ein Kommentar
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  1. [...] Kontingenz: erst versucht sich  Martha Wainwright in durchaus gelunger Manier an Songs von Edith Piaf und jetzt zollt Dirk Darmstaedter dem Oeuvre Robert Allen Zimmermanns Tribut. Auf Albumlänge. Bob! [...]

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