Hier rollen nicht nur die Steine, sondern sie werden zuweilen auch geworfen. Entspr
echend angenehm unbequem präsentieren sich the who the what the yeah auf ihrem Erstling blackbox. Die Band aus Wien umtänzelt dabei zum Glück leichtfüßig das eine oder andere Genreklischee und gibt sich sowohl kämpferisch als auch musikalisch abwechslungsreich. Irgendwo zwischen Indierock, Sixties-Beat, Postpunk und Rock ‘n’ Sonst-was haben die fünf Herren ihre Zelte aufgeschlagen und wer hätte gedacht, dass sich hinter dem durchaus gelungenen englischen Bandnamen deutschsprachige Texte verbergen, die zwischen Frontal-Slogans, poetischem Anspruch und Befindlichkeitsanalyse mutig den Spagat wagen. Dabei weiß der mal hysterisch-nölige und mal butterweiche Gesang von Martin Konvicka im Kontext jederzeit zu gefallen und um die Katze vorzeitig aus dem sprichwörtlichen Sack zu lassen: blackbox bewegt den Rezipienten auf der ganzen Füße-Bauch-Hirn-Achse.
“Auf der Strecke” gibt gleich zu Beginn den essenziellen Spirit des Albens wieder, perlt treibend-dynamisch aus den Boxen, gibt sich wütend und tanzbar – eine vertonte Abrechnung als Album-Opener. Kann man so machen, weil es funktioniert. “Unser Herr Bürgermeister” offenbart Superpunk-Gestus und Sixties-Orgel, allerdings mit größerem Rotz-Faktor als die Crew um Carsten Friedrich, mit der sich the who the what the yeah 2008 bereits die Bühne teilten. Das Stück “Die Angst” gibt sich betroffen und unzufrieden, bemüht dabei allerdings, den doch ein wenig zu oft so generell behandelten Topos von der blockierenden Wirkung von Angst und der Signifikanz ihrer Überwindung. Nichtsdestotrotz ein gefälliger Song und vom Tempo her die erste Drosselung auf blackbox, wobei sich der Drive auch im Midtempo-Bereich bewahrt und ebenso wie die interessant-hektischen Vocals weiterhin als leitmotivisch erweisen. Trademarks als Glücksfall. “Ein langsamer Tod” gestaltet sich als melancholisch-wütender Popsong mit Postpunk-Ästhetik. “Was uns aufhält” ist eine moderne Ton, Steine, Scherben Reminiszenz für (uns) Spätgeborene im melodischen Powerpop-Outfit – kommt etwa die neuen (Noise) Conspiracy aus Vienna?
Mit “Raus von hier” beweisen the who the what the yeah dann, dass sie auch Radiopop können, wenn sie nur wollen. “Rock ‘n’ Roll wird niemals sterben” – wer eine mehr als nur potentiell abgedroschene Phrase mit gehörigem Selbstbewusstsein in einen absolut unpeinlichen und umschmeichelnden Song einbetten kann, dem gehört die Schulter geklopft. Das ist neben der großen Variabilität der Lieder eine weitere Stärke des Longplayers, denn blackbox eignet sich auch für den ungeduldigen Hörer. Taktisch geschickt im Albumaufbau, gibt das Quintett gerade nach dem zum Verschnaufen einladenden Mittelteil Vollgas in Form eines Hit-Viererpasches, aus dem “Meister Eden” am prägnantesten heraussticht, tolle Orgel und ein Refrain zum memorieren, einfach mitreißend! Zum Abschluss des gelungenen Debütalbums gibt “Solitär” nochmal den Postpunker und zeigt Ellebogen, wirkt aber auch ein wenig bemüht und dennoch: the who the what the yeah zappeln und flippern sich zu einer Highscore.

[...] und auf http://www.alles-ist-pop.de [...]
Endlich ein Review das diesem großartigen Album gerecht wird!
[...] Album. Ebenfalls mit von der Partie sind Flimmerbilder zum Opener des großartigen Albums (Rezi hier) von the who the what the yeah aus Wien, die sich hoffentlich bald größerer Bekanntheit erfreuen [...]