Es ist schon zum Teil skurril, was einem als Rezensenten so ins Haus geflattert kommt. Manch
es ist zum ab- anderes zum drangewöhnen. Im Falle von About Face And Other Constants, dem zweiten Album der aus Frankfurt am Main stammenden Pillow Fight Club, hat man es eher mit einem postalisch verschickten Schachtelteufel zu tun. Statt “Pop Goes The Weasel” erklingt beim Öffnen der Box verspielt-atmosphärischer Post-Punk, der zudem durch ausströmenden Nebel zusätzlich visualisiert wird. Die Damen und Herren vom Pillow Fight Club scheinen sich jedoch nicht recht entscheiden zu wollen, ob sie in Richtung Anvantgarde und gen Pop-Horizont rennen wollen. Hauptsache die Beine bewegen sich erst einmal. Das hat aber so gar nichts mit dem Olympischen Gedanken zu tun, sondern vielmehr mit der Überwindung von Konventionen oder zumindest mit dem spielerischen Umgang mit solchen.
Vieles auf About Face And Other Constants mutet geradezu wie der unpeinliche Gegenentwurf zu Radiopop an, z.B. wenn die Band in “This is your song” fast traditionelle Folkpop-Elemente übereinander schichtet bis eine ganz possierliche Songchimäre aus den Boxen kriecht und kurz grüßt. Der geradlinige Post-/Dancepunk-Kracher “Not Interesting” ist gefällig, textlich allerdings leicht verstörend. Fassen wir zusammen: You dance like a fuck, so you fuck like a duck. Und weiter: Sorry, that’s not interesting. Merkt euch das, verdammt. Herv
orzuheben ist in jedem Fall der prägnante Gesang von Valentina Trovato, die mit ihrer Stimme unterschiedliche Stimmungen zu generieren weiß. Von verträumt-einfühlsam (“No Gravity”) bis unterkühlt-verkopft (“Mirror Star”) ist es im Pillow Fight Club gerade mal ein paar Schritte durch den Raum. Dass die Band ihre Lektionen verinnerlicht hat, beweist sie in dem wunderbaren Artpunk-Hit “Some Other Day In A Lightyear” oder dem partiell gallopierenden “The Greatest Wave”, Zeugnis durchaus originellen Songwritings.
Nicht alles ist gleich bemerkenswert auf About Face And Other Constants und es fällt schwer eine Vergleichbarkeit zu anderen Bands herzustellen, da Pillow Fight Club ihr eigenes Süppchen kochen und z.T. leicht widersprüchlich würzen, doch genau das spricht doch uneingeschränkt für das soeben erschienene Zweitwerk der beiden Damen und beiden Herren. Daumen hoch für dieses Jack-in-the-Box-Album, das neben dezent platzierten Knalleffekten reichlich Platz für innere Einkehr bietet.