Moneybrother: Kopfwende in der Einbahnstraße
Anders Wendin, besser bekannt unter seinem Pseudonym Moneybrother, ist ein netter Kerl. War er schon immer. Schon zu Monster Zeiten wirkte der Schwede grundsympathisch und was noch wichtiger war, der ausgelassene Soul Punk seiner damaligen Band versprühte jede Menge Esprit und Spielfreude. 2000 ist das Monster dann eingegangen und Herr Wendin zog sich die großen Schuhe einer Solokarriere an, wenn auch unter besagtem Künstlernamen. Mit Blood Panic gelang dem Schweden dann auch ein respektables Album, ein gelungenes Stilhopping zwischen Soul, Reggae, Rock und einer nicht zu kleinen Prise Pop. Zudem enthielt jenes Solodebüt mit ” It’s Been Hurting All The Way With You Joanna” und “Reconsider Me” zwei Singles, deren Hitpotential sich nachhaltig erweisen sollte. Dank tatkräftiger Mithilfe Sarah Kuttners fand Moneybrother sein Publikum hierzulande und das Publikum Moneybrother, denn Monster waren nur sehr leidlich auf dem europäischen Festland bekannt. So richtig rund ging es dann aber erst 2005 mit dem Nachfolger To Die Alone, ein Album an dem der Gute offensichtlich bis heute zu knabbern hat. Tolles Artwork und starke Songs, wenn auch zum Teil arg schmalzig. Mit dem sensationellen “Blow Him Back Into My Arms”, dem Soul Smasher “They’re Bulding Walls Around Us” oder Schmachtfetzen wie “Nobody’s Lonely Tonight” reizte Wendin eventuell seine Songwriter-Möglichkeiten bis zum Äußersten aus, denn die große Ernüchterung folgte 2007 mit Mount Pleasure.
Schon irgendwie ungewollt passend, dass sich Wendin auf dem Coverfoto mit Krücken ablichten ließ. Zwar sollte das Album insgesamt wieder etwas dynamischer daher kommen, doch irgendwie zündete der zum Teil uninspiriert wirkende Pubrock inklusive Springsteen-Anleihen nur selten. Auch die offensichtlichen Wenders Helden wie The Clash oder Thin Lizzy standen dem Album Pate, doch mehr als die nur kurzfristig unterhaltsamen Songs wie “Guess Who’s Gonna Get Some Tonight” oder Down at the R” sprangen dabei nicht heraus und selbst die locker-flockige Single “Just Another Summer” wirkte merkwürdig blutarm. Zwar durfte man kein weiteres Blood Panic oder To Die Alone erwarten, doch eine ansprechende Mischung aus beiden Alben inklusiver neuer Impulse wäre denkbar gewesen. Im Schreibprozess scheint dem lockigen Schweden jedoch die Kreativität auf der Arbeitsplatte abhanden gekommen sein. Ensprechend mäßig war die Resonanz auf Mount Pleasure, auch wenn der Longplayer in Schweden erneut die oberste Chartplatzierung ergattern konnte. In Deutschland stagnierten die Verkaufszahlen gegenüber dem Vorgänger und Moneybrother musste den Liebesentzug des Publikums fürchten, doch die Konzerte blieben das, wofür Wendin bekannt ist: gute Unterhaltung.
Nun der erneute Versuch in Gestalt des neuen Albums Real Control, das bereits im April in der schwedischen Heimat veröffentlicht wurde und seit Ende September nun auch auf dem hiesigen Markt erhältlich ist. Das Besinnen auf alte Stärken ist dem aktuellen Longplayer anzumerken, vor allem das Bemühen um die abhanden gekommene Leichtigkeit. Ob der Knoten letztlich gelöst wurde, ist schwer zu sagen. Die erste Single “Born Under A Bad Sign” könnte genauso gut Mount Pleasure entstammen und die weiterhin bestehende Skepsis weicht erst so langsam mit “We Die Only Once (And For Such A Long Time)”, das inzwischen als zweite Auskopplung fungiert. Sehr erfrischend, Joe Strummer lässt schön grüßen. Bei “6 AM” gelingt es Moneybrother wieder einen perfekten Herzschmerz-Soulknüller rauszuhauen und auch “Here Comes The Vain Again” verdeutlicht die Vermutung, dass der Interpret sich wieder auf der richtigen Spur befindet. Besser kann man Radiopop kaum gestalten. Manches auf Real Control bleibt wohl der Gunst der ganz treuen Fans des Schweden vorbehalten und Songs wie “Not That Old” sorgen doch ein wenig für Fremdscham. Dennoch scheinen die Zahnräder in der nordischen Hitmaschine längst wieder besser zu greifen.
Moneybrother - We Die Only Once (And For Such A Long Time)

