Taube Fingerspitzen und ein wohliges Brennen in der Bauchgegend – das neue Album der Berliner Band Mein Mio ist beinahe ein haptisches Erlebnis. Fast intuitiv kann man die Songs auf “Irgendwo in dieser großen Stadt” ertasten, ja erfühlen. Mein Mio bieten emotionalen Indiepop, der sich mal stürmisch-opulent und mal intim und zurückgenommen präsentiert. Inhaltlich kreisen die Lieder zumeist um den guten, alten Du-Ich-Topos, wobei die Akzentierung sich als durchaus variabel präsentiert.Der Hörer wird selten überrascht, oft aber umschmeichelt. Im Mittelpunkt des klaren und warmen Sounds von Mein Mio steht das Klavier, um das sich beinahe konzentrisch die anderen Instrumenten zum Großen und Ganzen arrangieren. Es ist kaum verwunderlich, dass die Songs des Quartetts im Programm von Radio Fritz nicht mehr wegzudenken sind, denn es zeugt schon von einer ausgeprägten Kunstfertigkeit, solche Musik zu schreiben, die trotz vorhandener Veranlagung nie peinlich, sondern immer authentisch und erfrischend ehrlich wirkt. Songs wie das sensationelle “Es gibt immer”, der gleichnamige Titeltrack oder die erste Single “Wenn wir wüssten” verwischen die letzten Zweifel und die einnehmende Stimme von Sänger Sebastian Block ist ohnehin als Idealfall zu bezeichnen. Sowohl für Mein Mio als auch für den Hörer. Mit ihrem persönlichen Entwurf von Popmusik entschleunigen die Berliner den Alltag in der großen, aber auch in den kleinen Städten, sodass man ihnen nur offene Türen und offene Herzen wünschen mag. Am Ende bekommt alles Sinn.