Nouvelle Vague: Alle guten Dinge sind nicht immer 3

03.07.09

nouvelle-vague-3Das dritte Album der französischen Band Nouvelle Vague um Marc Collin und Olivier Libaux bietet erneut Easy, zuweilen aber auch Cheasy Listening, denn das Erfolgskonzept, angestaubte Punk, New Wave und Rock Klassiker im Ambient und Bossa Nova Gewand wieder salonfähig zu machen, stößt langsam, aber sicher an seine Grenzen. Konnte bereits der letztjährige Ausflug in die Welt der Film-Soundtracks unter dem Pseudonym Hollywood Mon Amour nur bedingt überzeugen, ist auch das simpel betitelte Drittwerk eher eine Hängepartie als eine vortreffliche Einladung in die Hängematte. Offensichtlich hat das französische Produzentenduo ein wenig von seinem treffsicheren Gespür bei der Songauswahl eingebüßt, denn anders sind der ein oder andere Totalausfall nicht zu erklären. Dabei hilft es auch nicht, dass prominente Musiker dabei geholfen haben, die Originalkompositionen in der “Nouvelle Vague”-Art zu adaptieren. Zu nennen, wären dabei beispielsweise Martin L. Gore (Depeche Mode), Ian Mc Cullough (Echo And The Bunnymen) oder auch Terry Hall (The Specials). Die diveresen Gastsängerinnen erfüllen dafür ihren Part erneut souverän und sorgen mit ihren zuckersüßen Stimmen für eine altbekannte, erholsame Grundstimmung. Ein entsprechendes Juwel findet sich gleich im Albumopener, denn die im Original extrem unterkühte Fetisch-Hymne “Master And Servant” von Depeche Mode klingt bei Nouvelle Vague eher nach zarten Sonnenstrahlen als nach Lack und Leder. Ein völlig anderes Hörerlebnis bietet die Coverversion vom The Police Reggaepop-Hit “So Lonely”, denn hier geht man den genau entgegengesetzten Weg: der eigentlich so fluffig, federleichte Song wirkt bei Nouvelle Vague schrecklich fragil, eine wirklich kunstvolle, originäre Umsetzung also. Das Nouvelle Vague zugrunde liegende Konzept wird bei “God Save The Queen” dann aber völlig überstrapaziert. Der von den Sex Pistols stammende Punk-Klassiker  ist auch in der überarbeiten Fassung nicht weniger nervig, zumal die Entscheidung für diesen Song alles andere als kreativ ist. Der intendierte Witz ist inzwischen so lahm wie ein vor der Pensionierung stehender Zirkusclown. Noch viel schlimmer wird es dann aber bei dem von Plastic Bertrand stammenden “Ca Plane Pour Moi”, das im Original wirklich ein sensationeller Hit war. Nouvelle Vague varieren das Schema des Songs kaum, womit sich die Frage stellt, warum der Song überhaupt ausgewählt wurde. Solch einfallslose Arrangements braucht man keineswegs und auch einige andere Songs scheinen der Tatsache zum Opfer gefallen zu sein, dass auf den ersten beiden Alben bereits die prädestinierten Originale der infrage kommenden Dekade verwendet wurden. Zum ersten Mal gibt es bei Nouvelle Vague beinahe mehr Schatten als Licht zu entdecken, was eigentlich sehr schade ist. Dennoch ist 3 kein absoluter Reinfall geworden, doch wenn man das Dedütalbum und/oder Bande A Part bereits im Plattenschrank stehen hat, kann man auf das Drittwerk auch gut und gerne verzichten.

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