Ich habe lange nicht mehr – seit ein paar Monaten – einem Album-Release so entgegen gefiebert, und jetzt ist es da, das Drittwerk von Kasabian. Keine Frage: das erste Album war 2004 ein echter Brecher mit massiven Hits und damit ist keines wegs nur “Club Foot” gemeint. Dem selbst betitelten Debüt gelang gekonnt das Spagat zwischen Disco und Couch, war gleichsam aufgekratzt und entspannend, verkopft und extrem geradeaus. Ein verdrogtes Britpop-Meisterwerk mit Entlehnungen bei Oasis, The Charlatans und Happy Mondays und einfach verflixt gut. Zwei Jahre später folgte Empire. Sicher kein schlechtes Album und zudem eine sichtbare musikalische Weiterentwicklung, doch der gelobten Progression zum Trotz, so richtig wollte sich das Album in den Hörgewohnheiten nicht durchsetzen. 2009 kehren nun Kasabian mit West Ryder Pauper Lunatic Asyl auf die Bildfläche zurück. Die Band kündigte im Presse-Präventivschlag Großes an… und das Album ist verdammt nochmal “fucking huge” geworden, doch genug der Verlegenheits-Flüche mangels besserer Deskription.
Das Album wird mit “Underdog” eröffnet, einem großartigen Song, der bereits hinlänglich aus Funk und Fernsehen bekannt sein dürfte. Dann folgt “Where Did All The Love Go” und was ist das denn für ein phantastischer Bastard aus den Beatles in ihrer spirituellen Phase und Damon Albarns Gorillaz. Wenn das mal nicht eine Single-Auskopplung wird, dann soll mich der Major-Affe lausen. Der nahtlose Übergang in “Swarfiga” plätschert angenehm vor sich hin und dann – man entschuldige die ganze angewandte Lautmalerei – wooow!!! “Fast Fuse” geht so offensiv nach vorne wie ein authentisches thailändisches Curry – man will schreien, und zappeln und ja, der verdammte Raum brennt. Ich dachte, die Sache mit dem Fluchen wäre schon durch!? Die Endorphine! Ist das jetzt eigentlich Garagenrock? Egal! “Take Aim” drosselt das Tempo und schielt zu den guten Tagen von Kula Shaker und Big Beat. “Thick As Thieves” swingt und klingt noch mehr nach Filmmusik, als dies Kasabian ohnehin schon tun. Klasse Song mit “la, la, la” und den besten Zutaten der britischen Musikgeschichte. In ähnliche Richtung tendiert “West Ryder Silver Bullet”, verlegt den auditiven Tatort sogar noch mehr in den virtuellen Kinosaal.
Durchatmen – denn jetzt folgt mit “Vlad The Impaler” ein gewaltiges Beatmonster von einem Track. Nach 4.44 mit dem Phähler und der dringlichen Empfehlung “Get loose, get loose” steht das Fazit: Missed in Action. Danach folgt ein emotionaler Bruch mit dem besinnlichen Ohrwurm “Ladies and Gentleman (Roll The Dice)”, der ein wenig in Richtung Gallagher, aber auch Mr. Doherty schielt. Klasse Nummer. “Secret Alphabets” ist TripHop mit Streichern und “Fire” britischer Radiopop für die (nahe) Zukunft. Eine gewisse Gestalt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen würde mit Recht attestieren: Das perlt! Mit “Happiness” rollt das Album dann weich und leicht in den akustischen Sonnenuntergang, beinahe Dylan-esk. Keine Frage, auch unter Eid würde ich gestehen: dieses Album ist eine Offenbarung. But my gosh don’t you just know it.
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