Voxtrot: Bittersüße Symphonien …und Misstöne

20.04.09

voxtrot-singleVoxtrot, diese Köpfe verdrehende Indiepop-Sensation aus Texas legte 2007 ein erstaunliches Debütalbum vor. Der selbstbetitelte Longplayer platzte fast vor vortrefflichen Hits aus allen Nähten, und dieses atemberaubende Songwriting und Melodiegespür wirkte beinahe schon unheimlich, schließlich erfüllte die Band die Erwartungen, die ein Jahr zuvor die großartigen Eps Mothers, Sisters, Daughters & Wives und Your Biggest Fan geschürt hatten. Songs wie das wunderschöne Kid Gloves oder das bereits 2004 veröffentlichte, noch stark an The Smiths angelegte und federleicht dahin schwebende The Start of Something haben sich nachhaltig in Herz und Hirn festgesetzt. Doch damit nicht genug, denn die Liste der bandeigenen Hymnen ließe  sich ohne gedankliche Anstrengung und gleichsam schnell fortführen. Firecracker ist ein düster-genialer Pophit der Extraklasse, und auch Trouble oder Mothers, Sisters, Daughters & Wives betören den Hörer auf suchterzeugende Weise. Nach dieser zeitlichen Dichte an Veröffentlichungen wurde es dann aber erst einmal ruhig um die neuen Szenelieblinge, die trotz eines vierten Platzes in den US-Charts mit “Your Biggest Fan” und einer durchaus ordentlichen Platzierung mit “Firecracker” in den britischen Charts doch und zum Glück eher ein Insider-Tipp blieben. Im letzten Festival-Sommer sollte die Band dann das beliebte Fest van Cleef bespielen, wozu es dann aber nicht kam. Die kurzfristige Absage der Amerikaner war für viele Freunde und Sympathisanten der Band eine herbe Enttäuschung und danach: Funkstille!

Der Eindruck drängte sich unweigerlich auf, dass eine kreative Pause zwecks Kräftebündelung unvermeidbar war, und so gab es dann auch keine weiteren Verlautbarungen, bis Bandleader Ramesh Srivastava doch mitten ins Informationsvakuum hinein sich zu Wort meldete. Die neue Free Download Single “Trepanation Party”, bereits seit einiger Zeit durch die internationale Blog-Gemeinschaft geisternd und hier bereitstehend,  besitzt überraschend verstärkt ‘New Wave’-Anleihen, ist nach der Eingewöhnungsphase dennoch extrem hörenswert. Was allerdings mehrnoch merkwürdig anmutet, ist die Tatsache, dass Sänger Srivastava extrem in den Vordergrund gerückt ist und sämtliche Promobilder alleine ziert. Wie es bandintern um die Machtverhältnisse und Atmosphäre bestimmt ist, kann aus der Distanz wohl kaum geklärt werden, doch auch die Information, dass Srivastava zur Zeit alleine mit dem Produzenten Jim Emo (klasse Name) an Songs für das neue Album von Voxtrot arbeitet, motiviert Mutmaßungen und Spekulationen bezüglich der eventuell aus dem Gleichgewicht geratenen Basisdemokratie in der Band. Des Weiteren kam es verstärkt zu Soloauftritten, DJ-Einsätzen etc. des Voxtrot-Frontmanns und auch Gründungsmitglied Jared Van Fleet ist inzwischen nicht mehr mit von der Partie. Natürlich ist es auch gut möglich, dass die restlichen Bandmitglieder sehr wohl mit den Alleingängen ihrers Sängers und der entsprechenden Arbeitsweise einverstanden sind, und sich nicht als bloße Erfüllungsgehilfen degradiert fühlen oder eben auch damit zufrieden sind. In jedem Fall dürfte es spannend werden, wie Voxtrot diese erste unterstellte Kreativitäts- und Bandkrise meistern und natürlich auch, wie das noch unbetitelte zweite Album klingen wird. Bis dahin birgt das bisherige Songmaterial natürlich immer noch genug Anreize zum wieder und  wieder hören: addicted to Voxtrot und kein Ende in Sicht!

Tags: , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*