Die Überschrift ist wirklich fehlerfrei, denn die größte Skandalnudel des Vereinigten Königreichs nennt sich jetzt Peter statt Pete. Selbstverständlich soll dies neu gewonnene Reife unterstreichen und das erste Soloalbum Grace/Wastelands im Lichte der Seriosität erstrahlen lassen. Ein wenig skurril mutet dieser Versuch schon an, ist doch der Ruf von Doherty mehr als nur nachhaltig beschädigt. Doch abgesehen von allen Eskapaden der Vergangenheit und der entsprechenden Aufarbeitung im Boulevard, wurde auch stets Doherty´s herausragendes Songwriting gelobt, sowohl bei The Libertines als auch auf den beiden Alben seiner Babyshambles. Dabei wurden Doherty sicher arg überzogene Erlöserqualitäten zugesprochen, doch auch dem Soloalbum Grace/Wastelands kann man ein hohes Niveau nicht absprechen. Ziemlich aufgeräumt, beinahe klassisch klingt das doch sehr ruhige Album, ist aber auch stilistisch vielfältig und bewegt sich meist zwischen Pop und Folk. Vielleicht nicht der zum Teil postulierte Meilenstein, aber ein gelungenes Album mit einem Dutzend begeistender Songs.
Als Einstieg ins Album fungiert “Arcady”, das stark an Sechziger Folkssongs angelegt ist und brillant Doherty´s Stärken offenbart: Akkustikgitarre und diese außergewöhnliche, kaputte Stimme – mehr braucht ein gelungener Song des Briten nicht unbedingt. Die erste Single “Last Of The English Roses” mit dem rumpeligen Drumsample wirkt fast ein wenig überflüssig, eingerahmt zwischen dem besagten Opener und dem großartigen “1939 Returning”, das ebenfalls mit großer Atmosphäre und Intimität überzeugt, die der ersten Auskopplung ein wenig abgeht. Das nachfolgende “A Little Death Around The Eyes” zelebriert mit schönen Streichern gekonnt das Drama und selbstredend schaut auch der alte Kamerad Pathos bei dieser Gelegenheit vorbei. “I Am The Rain” ist eine fantastische Folkblaupause, bei der Doherty in jedem Fall seine Hausaufgaben erledigt hat. Das große Plus des Albums ist aber die große Authenzität mit der Doherty in die neue Rolle schlüpft und zu überzeugen weiß. Der erste stilistisch größere Ausflug ist die Piano-Swing-Nummer “Sweet By And By”, die aber erstens gut funktioniert und sich zweitens auch im Albumkontext nicht als Fremdkörper erweist. Ein absolutes Highlight kommt gleich im Doppelpack daher: “Sheepskin Tearaway” nähert sich dem perfekten Song gefährlich nahe und ist ein formidables Duett mit der schottischen Sängerin Dot Alison. Nachfolgend der nächste Geniestreich namens “Broken Love Song” und legitimer Grund für die Frage: Woher hat Doherty nur all diese Melodien?
Das wirklich faszinierende an Yellow Press Peter ist sicherlich, dass er all seinen Eskapaden immer wieder zum Trotz großartige Musik schreibt und veröffentlicht. Grace/Wastelands ist wahrscheinlich sein erstes rundum gelungenes Album und das vollkommen ohne Abstriche. Was bleibt, ist sein Image, das wahrscheinlich immer noch viele Leute grundsätzlich Doherty´s musikalisches Schaffen ablehnen lässt. Ein Dilemma, denn diesem Album sollte man wirklich Beachtung schenken.