Devilside Festival 2009: Feldversuch der härteren Art

19. März 2009, von jan

devilside1Es ist sicher nicht ganz einfach, ein völlig neues Festival aus dem Boden zu stampfen und der erste Schritt auf diesem Weg ist, wie eigentlich immer, ein zugkräftiges Line-Up.  Zugesagt für das neue Sommerspektakel  Devilside Festival (28. Juni 2009) haben bisher Bands wie Motörhead, Anthrax, Soulfly, aber auch Millencolin und die Halb-Playback Veteranen von der Bloodhound Gang. Insgesamt düfte das Profil des Festivals demnach eher Freunde der härteren musikalischen Gangart ansprechen, wofür auch die weiteren bisher bestätigten Bands sprechen. Kein Wunder, lautet das Motto ja auch “The Sunday Matinee From Hell”.

Veranstaltungsort für das eintägige Festival ist der beliebte Landschaftspark Duisburg-Nord, der seinen besonderen Charme aus der “industriell geprägten Natur- und Kulturlandschaft” zieht. Was Konzerte anbelangt, ist der Landschaftspark allerdings negativ vorbelastet, war doch die bisher größte Veranstaltung, der Auftritt der Red Hot Chili Peppers im Sommer 2003, ein verhältnismäßig großer Flop. Die Reaktion vieler Besucher bewegte sich zwischen den Polen “nichts gesehen” und “nichts gehört”. Beides für sich nicht erfreulich, in der Kombination selbstverständlich fatal. Mit diesen Erfahrungswerten sollte einem gelungenen Festival organisatorisch hoffentlich nicht viel im Weg stehen.

Mit Motörhead  und dem medizinischen Wunderwerk Lemmy Kilmister wurde jedenfalls ein beliebter Headliner präsentiert, der Fans der musikalischen Zielgruppen “Rock, Metal, Punk, Hardcore und Alternative” gleichermaßen begeistern dürfte.  Als weiterer Headliner konnte die Thrash Metal Legende Anthrax verpflichtet werden, die wohl auch das Festival um 11 Uhr morgens eröffnen soll. Frühstück mit Scott Ian, wer hätte das gedacht. Auch Max Cavalera wird mit Soulfly schweres Metall unter die Festivalbesucher bringen. Ebenfalls bestätigt sich die Schweden von Millencolin, die nachwievor eine beliebte Punkrock-Band sind, obwohl die Luft bei den Jungs raus zu sein scheint. Die Irren von der Bloodhound Gang dürften wohl eher als der Comedy Act des Festivals fungieren, denn ernstzunehmen sind die ja kaum. Ebenfalls dabei sind die Niederländer von Peter Pan Speedrock, die das zuzuordende Genre bereits im Bandnamen tragen. Neben Motörhead und Anthrax wurde kürzlich  aber auch eine weitere auftretende Bandlegende bekanntgegeben, nämlich das New York Hardcore Urgestein Cro-Mags. Ansonsten sind bisher die Metalcore-Truppe All Shall Perish, die alten Hardcore Haudegen von Hammerhead und Discipline (Streetpunk/Oi!) aus Eindhoven bestätigt. Das Line-Up wird sich aber sicher in den nächsten Wochen  noch kontinuierlich erweitern.

Die Karten für das Devilside Festival kosten 39 Euro und dazu kommen noch die obligatorischen Vorverkaufsgebühren. Obwohl das Line-Up noch nicht komplett ist, läßt sich doch sagen, dass man es hier mit einem sehr fairen Preis zu tun hat. Insgesamt wirkt die Außendarstellung des Festivals sehr positiv und wenn die Organisation vor Ort glatt läuft, steht dem Debütant im Festivalsommer ein gelungener Einstand ins Haus.

13 Kommentare
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  1. Erst der “Reign in Blood”- Vergleich bei Tante Renate und jetzt ein Bericht übers Devilside… wenn das so weiter geht, macht ihr noch dem Metal Hammer Konkurrenz! ;-)

  2. Tja, wir sind Opportunisten aller erster Güte.
    Metal ist doch hoffentlich gerade “in” oder? ;-)

  3. Seitdem Mille von Thees Uhlmann durch die Alternativpresse gereicht wird, ist Metal doch der neue heisse Scheisse unter den Indiekids, oder? ;-) Sozusagen die kleine Schwester der Black Metal Begeisterung des Wire Magazins. Wobei das ja immerhin großartige Stilblüten trägt: Post Black Metal auf Touch. Aber ein Trashalbum von Tomte will ich mir lieber nicht vorstellen, wäre vermutlich ein ähnlicher GAU wie Boa´s Versuch seinerzeit in den Gefilden Fuss zu fassen.

  4. Ob “in” oder nicht, da ja bekanntlich alles Pop ist und man sogar im Kulturteil der “Zeit” darüber liest wenn ein gehirnfressender Nazi-Satanist namens “Count Grischnack” nach 16 Jahren aus dem Knast kommt, dann scheint diese Stilrichtung ja doch irgendwie öffentlichkeitswirksam im popkulturellen Gedächnis verankert zu sein. Erstaunlich bloß, dass es die Mainstream-Presse dabei sogar schafft das musikalische Vermächnis von der kranken Seele des Musikers zu trennen und von “Evergreens” wie “Rundgang um die transzendentale Säule der Singularität” schreibt, als ob dies den Hördurchgang weniger gruselig machen würde. “Pop” ist offenbar alles was Aufmerksamkeit erzeugt. Wenn es danach geht, dauert es wohl wirklich nicht mehr lange bis zu “Deutschland sucht den Super-Satanisten” (gesponsort von der Visions).
    Dann doch lieber ein Revival der “Ronnys Pop-Show”!

    Zum Glück ist das bei Motörhead viel einfacher: Die sind einfach nur eine Band zum saufen und saufen ist populär! (Kausalzusammenhänge können ja so einfach sein!) :D
    Ich freu mich auf Juni!

  5. Natürlich ist Pop all das, was Aufmerksamkeit generieren will. Diese Feststellung klingt bei Marcel ja beinah wie ein Vorwurf. (Sorry, falls ich Dich da missdeute). Aber genau darum geht´s doch, trotz aller großen und kleinen Brüche, letztlich in der Populärkultur: Aufmerksamkeit, Glücksversprechen. Jugend. Wenn´s dann jemand schafft, genau diese Aspekte mit den popeigenen Mittel als Lüge zu entlarven, hat man einen der besseren Momente innerhalb des Popuniversums erwischt.

  6. @Sascha
    Um die (banale) Feststellung an sich ging es mir gar nicht. Nur die Züge die es annimmt muten zuweilen ziemlich grotesk an, heißt: Aufmersamkeit um jeden Preis. Davon lebt ja nicht nur die Popkultur sondern alle Medien, u.a. auch der Musik-Journalismus. Letztlich meine ich ja nur: Es gibt schlimmere Formen von Opportunismus, als der Hinweis auf ein Metal-Festival auf dieser Indie/Pop-Seite (was mich letztendlich aber doch ziemlich überrascht hat). Anders als bei “Zeit-Online” wird man sich hier jedoch kaum die Mühe machen über aus dem Knast entlassene Black Metaller zu berichten. Dass es solch ein Mist in die Massenblätter bringt, zeigt doch zum einen die Auswüchse des Sensationsjounalismus, zum anderen welch normalisiertes Verhältnis die Gesellschaft mittlerweile zum Metal hat, was diesen umso mehr als Teil der Pop-Welt entlarvt. Wenn dann über Motörhead als Headliner auf einer Indie/Pop-Seite berichtet wird, so freut mich das eher. Der Verweis auf “Zeit-Online” sollte hingegen die dunkle Kehrseite des gleichen Phänomens aufzeigen.

  7. Erstens liegt den Machern dieser Seite die strikte Trennung von Genres fern

    Zweitens findet das Devilside im direkten Einzugsgebiet von Alles ist Pop statt und ist doch breiter angelegt als ein Nachwuchsabend mit lokalen Death Metal Bands. Es ist ja immer spannend wenn sich auf dem Kultursektor etwas in Duisburg tut und wenn dies von dieser Größenordnung ist erst recht

    Drittens ist Metal, ebenso wie Punk, seit Jahrzehnten eine zutiefst reaktionäre, zur Hybris neigende Geschichte, extrem populär in allen Belangen und längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen

    Viertens ist Alkohol Abusus ein grundliegende Komponente jeder Massenveranstaltung und somit absolut zeitlos. Ist das jetzt positiv? Hmm…

  8. @marcel:
    *lach* Sorry, falls Du bei mir einen Opportunismusvorwurf herein interpretiert hast. Ich find´s eigentlich ziemlich gut, dass das Festival hier angekündigt wird. Hammerhead oder Anthrax stehen mir ja deutlich näher als vieles, was hier sonst so auftaucht. Klar, Neurosis und Sunn O))) in DU fänd´ ich noch viel besser, aber am Lineup kann man wenig aussetzen. Höchstens am abzusehenden ÖPNV-Desaster ,-)

    Zu der Burzum Story: Über die gesamte (Vor)Geschichte gibt´s durchaus auch ernsthafte Abhandlungen, auch abseits der Metal- und Mainstreampresse. Ich glaub allerdings, dass ein normalisiertes Verhältnis der Gesellschaft zum Metal niemand mehr zu entlarven braucht. Schau Dir einfach die Verkaufszahlen an, die Metalbands seit den späten 80ern haben – soooo randständig kann das gar nicht sein, auch wenn das vielleicht viele Fans gerne hätten.

    Außer im Radio gibt´s ja auch kaum Orte, wo Metal nicht vorkommt. Und das sagt weniger etwas über die Randstellung von Metal aus, als über das Festhalten der Radioprogrammverantwortlichen am Ultramainstream.

    Den Artikel in der Zeit find ich übrigens nicht weiter schlimm, Sensationsjournalismus geht anders. Die Trennung zwischen Vikernes´ Musik und seinen Ansichten hat übrigens selbst die Testcard vollzogen.

  9. @Jan
    zu 1) Dass dies eure Einstellung ist, stellt hier wohl auch niemand in Frage.

    zu 2) Da sah ich jetzt nicht unbedingt Klärungsbedarf. Natürlich ist jede größere Musikveranstaltung im direkten Umkreis (theoretisch) relevant. Der Bericht hat mich trotzdem überrascht, was jetzt aber keine Wertung im Sinne von passend/unpassend sein sollte. Freue mich schon auf euren Bericht zur Loveparade nächstes Jahr! ;-)

    zu 3) Ich dachte die Trennung der Genres liegt euch fern und betrachtet stattdessen lieber die einzelnen Künstler für sich? ;-)

    Ich denke deine Beschreibung der Genres als reaktionäre Musikphänomene zeigt doch, dass man in der Popkultur-Diskussion nicht um diese Begriffe herum kommt, auch wenn es einem selbst fern liegt Künstler in solche Kategorien einzuordnen. Letztens hab ich im Deutschlandfunk ein interessantes Interview mit einer Musikwissenschaftlerin gehört, die sich in ihrer Dissertation mit Black Metal auseinandersetzt. Genres sind eben bekannte “Labels” die über die bloße Beschreibung der Musik hinaus eben auch versuchen für einen ganz bestimmten Lifestyle zu stehen. Wo das Interesse also über die Musik hinaus geht und man sich quasi soziologisch damit befasst, so kommt man gar nicht drum herum Kategorisierungen vorzunehmen. Sie sind die typische Folge von Gruppenverhalten, deren Konventionen und der Anpassungsbereitschaft an genre-spezifische und/oder gruppeninternen Normen. Nur weil man sich selbst dieser Normenbildung entzieht (mach ich ja auch so gut es geht), heißt dies nicht, dass diese Genre-Einteilungen vollkommen sinnlos sind, wie deine Kurzcharakterisierung des Metal und Punk ja selbst zeigt.

    Eine Diskussion darum was man unter “Mitte der Gesellschaft” zu verstehen hat, will ich jetzt auch nicht noch anheizen, dass würde auch nochmal Kapitel füllen. Tatsache ist: Als Punk und Metal in den 70ern/80ern vor allem noch Jugendkulturen waren, waren sie in der journalistischen Erwachsenenwelt eher ein Objekt einer Wertediskussion in der man sich mit der “verkommenen” Jugend befasst hat. Seitdem die Jugend von damals aber heute in Chefetagen sitzt, seitdem kann man erst von einem “Ankommen” in der Mitte der Gesellschaft sprechen. Dieses Phänomen zeigt sich natürlich im (im Laufe der Jahre) entspannteren Verhältnis der Mainstream-Presse zu diesen Musikrichtungen. Waren die norwegischen Kirchenverbrennungen Anfang der 90er noch skandalträchtig und führten zu allerlei (teilweise berechtigten) (Vor-)urteilen, so ließt man darüber heute zwar differenzierter, aber gleichzeitig auch verharmlosend.

    Natürlich sind Vorurteile immer scheiße, aber auf der anderen Seite ist es absurd eine Kategorisierung nicht zu verwenden, wenn doch eine Szene exisiert die diese Kategorie selbst verwendet! Ich denke darauf kommt es an: Genausowenig wie man Leute und Bands in Schubladen einteilen sollte in die sie nicht eingeteilt werden wollen, genauso kann man auch festhalten, dass viele Musikhörer und Bands ganz bewusst in diese Kategorisierungen eingeteilt werden wollen, weil sie für sie ein Identifikationsmerkmal sind (oder sie aus kommerziellen Gründen Teil eines Trends sein wollen). Ihre Konventionen definieren die Genres und jenseits persönlicher Vorlieben hat niemand das Recht denen vorzuschreiben Musik nur noch als vom Gruppenverhalten losgelöste individuelle Kunst zu betrachten. Insoweit finde ich, soll jeder Künstler und jeder Musikhörer selbst bestimmen inwieweit er Punk, Metal, Indie, Pop oder was auch immer sein will oder ob er sich jeder Einteilung entzieht oder sich nur in Teilen mit einem oder mehreren dieser Begriffe identifiziert. In diesem Sinne: Alles ist was auch immer es sein will!

    Der erweiterte Pop-Begriff passt da zwar auf vieles, aber längst nicht auf alles und vor allem ist es selbst wieder eine teilweise unerwünschte Einordnung. Der bewusst provokative Charakter der dahinter steckt auch jene als Pop zu bezeichnen die es sich mit ihrer pubertären Gegenkulturmasche allzu einfach machen, ist schon klar. Aber letztlich finde ich es nicht unbedingt erwachsener als Protest gegen den ewigen Kreislauf aus Kultur und Gegenkultur auf so eine Provokation zurückgreifen zu müssen. Letztendlich ist dieser ganze Pop-Trend zur Zeit doch nur ein Prozess von Twens die sich endlich den subkulturellen Zwängen ihrer Pubertät entziehen wollen. Das setzt doch aber wohl voraus, dass man sich selbst vorher allzu ernst genommen hat, oder nicht? Und offenbar immernoch, denn eigentlich braucht das “erwachsen werden” kein eigenes Label!

    Man ist nicht erwachsener weil man plötzlich von Punk auf Pop umsteigt! Hörgewohnheiten und Vorlieben können sich ändern oder auch nicht, aber darin steckt keine höhere Bedeutung, kein tieferer Sinn und auch keine zwanghafte Notwendigkeit, es sei denn die alten Hörgewohnheiten werden im sozialen Umfeld nicht mehr akzeptiert. Und in einer solchen indirekten Diktatur der Hörgewohnheiten durch sozialen Druck, sehe ich ein sehr viel größeres Problem als den des Kreislaufes zwischen Kultur und Gegenkultur für den man sich für zu erwachsen hält. Jugend bleibt Jugend und die wird sich immer kulturell absondern wollen was die Industrie wiederum auszuschlachten versucht. Das Eine ist eine psychologische Normalität, das Andere die bittere Realität des Kapitalismus. In der Ausnutzung der natürlichen Bedürfnisse der Jugend seitens der Industrie sehe ich eher ein Problem mit gesellschaftlicher Relevanz, wo es Aufklärungsarbeit zu leisten gilt. Da heißt Erwachsenwerden für mich: Weg von dieser plakativen, selbstreferenziellen Art sich mit Musik oder Kunst im allgemeinen zu beschäftigen und hin zu einer Thematisierung der gesellschaftlichen Effekte und Auswirkungen! Und eben da sehe ich zu wenig Kulturkritik in der Presselandschaft, daher die Erwähnung des Zeit-Artikels.

    Mit dem Devilside-Festival hat dies nun erstmal gar nichts zu tun, sondern es war eher das Phänomen, dass Metal auch jenseits der Fanzines seit einigen Jahren häufiger thematisiert wird, was in mir Assoziationen zum Artikel weckten. Dass dies nicht der ausschlaggebende Grund für den Devilside-Artikel war, sondern die geografische Nähe, war schon klar, da war die Diskussion eben etwas abgewichen, na und? Nichts neues im Online-Land und durchaus erkennbar würd ich mal behaupten. Das hat jetzt kein belehrendes Vier-Punkte Statement erfordert! Dafür gab’s jetzt meine etwas ausufernde Meinung zur ganzen Masche dieser Seite und dem aktuellen Pop-Trend. Als Überblicksseite für die regionale Musikszene finde ich “alles ist pop” ja nicht schlecht, aber diese ganze “wir kennen keine Genregrenzen, weil wir jetzt erwachsen geworden sind”-Masche finde ich arg trivial. Ich denke in 10 Jahren werdet ihr selbst darüber lachen. So und jetzt höre ich Jazz! Für die einen komische Musik, für die anderen eine Offenbarung, aber lasst uns doch einfach auf Jazz einigen!

    zu 4) Du willst hier nicht wirklich auch noch ne Diskussion über Alkohol anfangen, oder? Man muss nicht jeden unwichtigen Randkommentar ernst nehmen! ;-)

  10. @Sascha
    Mit dem Burzum-Artikel hab ich eigentlich nur ein Problem, weil ich der Meinung bin, dass man so Leuten nicht noch ein öffentliches Forum zur Selbstdarstellung bieten sollte, denn genau dies bewirken sie ja mit ihren Taten. Finde es auch nicht ok überall die Namen und Fotos von Amokläufern zu veröffentlichen. Genau dies wollen die doch, ihren bitteren Ruhm nach dem Tod….

  11. @marcel: In Bezug auf Selbstdarstellung geb ich Dir völlig Recht, aber ein Forum zur Selbstdarstellung bietet der Zeitartikel doch gar nicht. Dort wird nicht fanzineartig seitenweise und unkommentiert O-Ton präsentiert, sondern durchaus das Geschehene zusammengefaxt und (im Rahmen des Möglichkeiten) reflektiert.

    Aber bevor hier der Eindruck entsteht, daß ich hier eine allzu große Lanze für Die Zeit brechen will: dass im Michael Nyman Interview Carsten Nicolai als “Techno Künstler” bezeichnet wird, geht mal so gar nicht. Da könnte man auch behaupten, daß Kettcar ´ne Punkband seien ;-)

  12. Hey Sascha,
    hast schon recht, dass der Artikel durchaus reflektiert (zumindest ein wenig). Aber es muss ja nicht unbedingt sein, dass dann noch nen Song von denen auf youtube verlinkt wird. Das ist ja so als wenn die über irgendso ne deutsche Nazi-Band schreiben und dann den Link zu nem Instrumental setzen mit dem Hinweis, man müsse ja eigentlich das musikalische Schaffen von der Intention des Künstlers trennen, weil das Instrumental ja so toll sei. Dann würden sich auch alle (zurecht) aufregen, aber bei ner norwegischen Band geht das dann, weil die Tendenzen in den Songs gut genug versteckt sind und überhaupt ja auch noch genug Satanismus dabei ist der die Sache ideologisch abwechslungsreicher gestaltet? (irgendwie absurd, oder?)

    Sorry, mir waren da zuviele neutrale Beschreibungen drin. Und allein die Tatsache, dass die Zeit über diese Band berichtet spricht ihr eine Bedeutung zu, die sie nicht verdient hat. Eine für die Musiklandschaft insgesammt unwichtige Black Metal - Band, die nur durch die Taten ihres Sängers in den frühen 90ern bekannt wurde, steht plötzlich wieder in der Öffentlichkeit, das muss doch nicht sein! Die Art der Berichterstattung ist da doch unerheblich, denn jede Erwähnung (ob positiv oder negativ, reflektiert oder unreflektiert) schafft Aufmerksamkeit. Und irgendein Jugendlicher sitzt dann vor dem Rechner und denkt sich “Cool, Nazi-Black Metal. Kannte ich noch gar nicht!”. Das ist ja so, als wenn der Sowi-Lehrer in der Schule sagt: “So liebe Kinder, das ist die Nazi-Band xyz und die sind ganz böse also bitte nicht hören.” Ist das “name-dropping” einmal gefallen, wird irgendein verstörter Typ sicher auch danach googeln und kommt damit in Kontakt. Dabei gibt es soooviele gute Musik über die man eher berichten sollte.

    Was glaubst du denn wieso in den Nachrichten meistens nur Negativ-Meldungen sind? Wir haben uns zwar schon daran gewöhnt, aber das ist Sensation, denn das Bedrohliche erzeugt nunmal mehr Aufmerksamkeit als das Positive. Das muss dann auch nicht großartig ausgeschmückt werden um Aufmerksamkeit zu erzeugen (wie im typischen Sensationsjournalismus). Daher war dieser Bericht schon etwas opportunistisch, denn man hätte ja auch einfach sagen können “über diesen Mörder berichten wir nicht”. Ist es von öffentlichem Interesse wenn ein Nazi aus dem Knast kommt? Natürlich nicht, das passiert andauernd, weil auch immer wieder welche zurecht eingesperrt werden! Bin da sehr skeptisch, was manche Journalisten immer als öffentliches Interesse darstellen. Bin zwar gegen staatliche Zensur, aber eine gesunde Portion journalisticher Selbstzensur wäre meiner Meinung nach wünschenswert!

    Aber egal, will da jetzt auch keine ewige Diskussion drüber führen, zumal das ja nichts mit dieser Seite oder diesem Artikel zu tun hat. Zu diesem kann ich eigentlich nur sagen: Hoffentlich spielen Anthrax auf dem Devilside ein paar neue Songs! (das Album kommt ja auch im Sommer) ;-)

  13. Das Line-Up nimmt weiter Konturen an:
    u.a. ist jetzt die schwedische Punk ‘n’ Roll Institution The Bones mit dabei und die Überreste der einst legendären Misfits. Interessant!

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