Olli Schulz: Es brennt so schön

15. März 2009, von jan

ebssOlli Schulz perfektioniert auf seinem neuen Album schnarchnasigen Adult Poprock und garniert diesen erneut mit vor Belanglosigkeit nur so triefenden Texten. Musik die nicht weh tut oder zumindest nicht sehr, was auch an den vielen musikalischen Zitaten liegen dürfte. Da nützen auch die zahlreichen prominenten Helferlein (Schreifels, Begemann und Gisbert zu Knyphausen) nicht, und das Beste an Es brennt so schön ist trauriger Weise das schicke, stark an das Artwork von The Smiths Platten angelegte Cover.

Das infantile und Hirnzellen fressende “Mach den Bibo” ist dank Stefan Raab und der begleitenden Diskussion um Schulz’ Inkonsequenz ja bereits allseits bekannt. Im Albumkontext wirkt der Song allerdings völlig deplatziert, versucht doch Schulz gemeinhin die eigene Seriosität und musikalische Reife zur Schau zu stellen. Dass dies in großer Banalität münden kann, stellte ja bereits der Vorgänger Warten auf den Bumerang unter Beweis. Ob Schulz die neu gewonnene Popularität mit diesem faden Einheitsbrei aufrecht erhalten kann, ist an dieser Stelle wohl nicht zu klären. Vielleicht ist ja gerade die Austauschbarkeit der Schulz’schen Rohrkrepierer ein vom Autor dieses Reviews verkanntes Qualitätsmerkmal, bekommt das Album doch insgesamt ziemlich wohlwohlende Kritiken. Der Olli ist aber ja auch sooo nett und live ja auch sehr witzig.

Besonders bitter schmeckt Es brennt so schön, wenn Schulz, sozialkritsch to the max, die rauhe Welt da draußen wortgewaltig anprangert wie in “All you can eat”: “Wann hat das alles angefangen? Wann wurden wir zu diesen Schlangen? All you can eat - Jeder ist zufrieden, solange man ihn bedient.” Da hat der Herr Schulz sich ja wieder als scharfzüngiger Analytiker bewiesen. Ein Deutschpunk-Song könnte gesellschaftliche Missstände nicht besser pointiert darstellen. Insgesamt muss man konstatieren, dass durchaus vorhandene gelungene Melodien meist in den banal bis dümmlichen Texten ertränkt werden. Als weiteres Beispiel sei die Hymne an die Freundschaft “Bloss Freunde” genannt, in der der Paarreim bis zum Erbrechen stranguliert wird: “Du bist so dramatisch, das find ich so sympathisch. Du hälst die Welt in Atem, doch läßt mich niemals warten.”

Schon amüsant, dass der Titel des Albumopeners gleichsam Motto und Fazit zu Es brennt so schön darstellt: Ab jetzt tut es nur noch weh. Wie wahr!!!

10 Kommentare
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  1. Also, ich find das album super. Liebe grüße.

  2. Was ein böser Verriss! Tatsächlich kenne ich das Album noch nicht; den Bibo fand ich lustig (hängt mich, haha!) und “So lange einsam” (den einzigen weiteren Song, den ich kenne), zu belanglos, um mir sofort das Album kaufen zu müssen.

    Was ich eigentlich sagen wollte: Ich fand “Warten auf den Bumerang” großartig - grandios. Es hatte m.E. alles, was Olli Schulz vorher und nachher nicht mehr hatte: echte Tiefe. (Was macht man bloß mit diesem Jungen, Armer Vater, Keiner hier bewegt sich (Wir Fallen), etcpp.)

    Was davor war, war 1a Unterhaltung - gefiel mir auch.
    Was danach kommen soll… ich weiß es nicht.

  3. Da gibt sich aber einer richtig mühe um den olli zu verreißen. Klingt eher als hätte der autor ein persönliches Problem mit dem Künstler.

  4. Warum schreibt man eigentlich eine Kritik ueber einen Kuenstler mit dessen Musik man wohl generell nicht viel anfangen kann? Wenn Dir das letzte Album schon nicht gefallen hat, warum sollte es denn bei den neuen sachen anders sein?
    Ich bin selbst kein bedingungsloser Olli Schulz Fan und fand den Bibo auch ganz furchbar aber trotzdem verdient die Arbeit, die in dieser Platte steckte, sicherlich eine etwas objektiviere Kritik.
    Das hier so geschasste Lied “bloss freunde” gehoert uebrigens zu den schoensten Songs der Platte.
    Olli Schulz hat bei seiner letzten Show in Frankfurt von einem Lied erzaehlt, das den folgenden Titel trug: Wann kommt Deine geile Platte eigentlich raus? Ich glaub die Frage wuerde ich dem Autor auch gerne mal stellen.

  5. Nach den Mutmaßungen zum Autor, ein ergänzender Kommentar: Natürlich stellt eine Plattenkritik immer und wirklich immer (auch) die subjektive Wahrnehmung des Schreibenden dar. Ein persönliches Problem mit Herrn Schulz, habe ich deswegen noch lange nicht. Man braucht es auch nicht, um das neues Album nicht zu mögen oder für nicht gelungen zu befinden.
    Ansonsten ist in der Musikjournaille meist der umgekehrte Fall Realität, will heißen, dass Künstler aus Sympathie über den grünen Klee gelobt werden.

    Dass der Herr Schulz viel Arbeit in sein neues Album gesteckt hat, steht wohl außer Frage. Dies muss nun wohl kaum für die Qualität der Musik sprechen und ja, der Olli hat sich bemüht. Kein gutes Zeugnis und dies trifft den Nagel doch an der Birne:
    Viele Ideen und doch kein überzeugendes Songwriting. Im Gegenteil wirkt vieles zu ambitioniert, ohne meiner Meinung nach diesem Anspruch gerecht zu werden. Das betrifft erst recht die lyrische Komponente.

    Wem das reicht oder wer eh vorbehaltlos Ollis Musik mag, soll und kann gerne mit dem Album glücklich werden. Hat doch niemand was dagegen. Mir reicht es bei weitem nicht!

  6. Noch eine kleine Ergänzung: Jan und ich haben unabhängig voneinander zeitgleich eine Rezension geschrieben. Ich hatte aber keine Zeit meine fertig zu schreiben oder eine gemeinsame zu entwerfen und daher hat Jan seine veröffentlicht.

    Meine Rezension wäre im Fazit nicht anders ausgefallen. Ich fand die ersten beiden Schulz Alben genial, war vom letzten etwas enttäuscht und kann dem neuen nun überhaupt nichts mehr abgewinnen. Ein paar nette Zeilen, u.a. die viel zitierte “man ist so lange einsam bis man lernt alleine zu sein” sind da, die Musik ist so naja, aber die guten Kritiken die das Album überall einfährt finde auch ich nicht gerechtfertigt.

    Ich halte Olli Schulz immer noch für einen sympathischen Vollspacken im besten Sinne, mit tollen Entertainerfähigkeiten und sehr amüsanten Geschichten (bin auf sein Buch gespannt) aber die Musik geht einfach gar nicht mehr.

    Da habe ich mich übrigens umso mehr gefreut, als ich letztens das “Bibi McBenson” Album gefunden habe, das vom Schulz ins Netz gestellt wurde, um den illegalen Download vom “Beigen Album” anzuprangern. So Lo-Fi-Albern ist mir Olli Schulz lieber als super geschmeidig-möchtegern-ernst-und-kritisch.

    And as always: Your mileage may vary.

  7. scheint wohl einfach so als könnt ihr nichts mit der Entwicklung von Olli`s Musik anfangen und vermisst Texte a la Rock`n Roll Lifestyle. Das kann ich verstehen , aber es hat sich ja eigentlich schon auf der beigen und der Bumerang Platte abgezeichnet, das Olli immer mehr versucht auch andere Musik- Stile auszuprobieren.
    Mir haben gerade die letzten beiden Alben gut gefallen , weil da musikalisch einiges mehr los ist.
    Auf der neuen finde ich vor allem “Wie Sie” und “So lange einsam” musikalisch richtig geil, weil die Texte und auch Musik richtig angehen. Dafür nervt der Bibosong extrem und hat eigentlich nichts auf dem Album verloren.

  8. Nach 1 1/2 fachen Hören des Albums kann ich nur sagen: Die (in den Kommentaren) erwähnten Stücke “Wie Sie” und “Bloss Freunde” sind fantastische… der Rest geht so im Allgemeinen ein wenig unter (”Fliegen” und “Herz los!” sind auch noch ganz nett) - natürlich wurde sich ausgiebig Mühe gegeben, keine Frage… weiß nur nicht, ob mir das so gut gefäälllt…

  9. Also von mir kriegt das Album ein klares “unhörbar” draufgestempelt. Frechheit was der da verkaufen will.
    Frühere Alben waren klasse, großer Live-Entertainer….aber so ne Weichspül-lala zu fast nichtigen Texten…nä, no way dass ich mir das nochmal freiwillig antu. Da musste ich bei fast jedem Lied in der Mitte weiter schalten. FINGER WEG

  10. Hab mir jetzt endlich auch mal das Album angehört, nachdem ich von dem Bibohype ziemlich abgeschreckt wurde.
    Fakt ist das es keine Weichspüler Musik ist. So noisige Elemente wie in “So lange einsam” oder “Wie Sie” hab ich bis jetzt auf keiner Platte von Schulz gehört. Was mir fehlt sind die reduzierten Akustiknummer, die es auf den früheren Alben gab. Aber es hat einige wirklich brilliante Songs und als unhörbar kann man das Album nun wirklich nicht bezeichnen.

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