ClickClickDecker: Den Umständen entsprechend

Songs aus der Sofaritze der neo-liberalen Abrwack-Gesellschaft, oder wie? Zwischen lo-fi und guter Produktion, zwischen Schlafzimmer und Studio trägt ClickClickDecker seine Umzugskartons umher. Und was für ein buntes Sammelsurium der Kevin da mit sich herumschleppt. Spielzeugautos mit abblätternder Farbe, Polaroids aus vergangenen Tagen, Notizblätter mit liebenswürdigen Kritzeleien, Reiseführer zur Innenschau, Betriebsanleitungen für morgen und ein Sixpack Zuversicht.  Manchmal kann man gar nicht so recht erklären, warum eine Platte eigentlich funktioniert. Der neue ClickClickDecker-Longplayer braucht den zweiten und dritten Durchlauf, doch dann greift er, der Automatismus.

Zu Beginn verwirrt die doch recht glatt geratene Produktion, waren doch in der Vergangenheit die Aufnahmen mit all ihren Ecken und Kanten ein so großer Sympathiefaktor. Apropros Sympathie. Es dauert nicht lange, bis man begreift, dass sich bei ClickClickDecker gar nicht so viel geändert hat, doch die großen Hits, neue Anwärter für das imaginäre Lieblingsmixtape springen einem nicht sofort in die Brusttasche. “Ich habe keine Angst vor…” und “Nichts für Ungut” hatten aber auch eine ganze Menge davon, also einfach mal tiefer graben und siehe da…Bingo! Der besagte Überhit mit integrativer Wirkung heißt diesmal nicht “Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt”, “Wer erklärt mir…” oder “Der ganze halbe Liter”, sondern eben “Den Umständen entsprechend”. In Fußball-Plattitüden heißt es meist pseudo-bescheiden “Die Mannschaft ist der Star”, aber hier ist das sehr homogene Album eben wirklich der Leistungsträger.

Beim Versuch einzelne Lieder hervorzuheben, tue ich mich immer noch schwer. Jedoch nicht, weil nichts hängen bleibe würde, sondern weil die Lieder sich nichts nehmen. Die Atmosphäre des Albums ist so wunderbar unaufgeregt und die Songs greifen schon sehr gekonnt ineinander. “Der Dialog mit dem Tölpel” ist beispielsweise so eine gute Tasse Tee an einem kalten Wintertag. “Wenn Ethna wieder spuckt” scheint der gute Zwilling von Pathos zu sein und “Händedruck am Wendepunkt” hat die Qualitäten eines Uptempo-Weakerthans Songs.  “Einbahnstraße” sprudelt so vor sich hin und die Single “Es fängt an wie es aufgehört hat” reibt sich an den Synapsen bis die Funken sprühen. Nur gut, dass der erste Eindruck nicht immer uneinreißbare Mauern auftürmt, denn dann wäre mir ein in sich geschlossenes und sehr gelungenes Album durch die Lappen gegangen. Es ist wie mit guten Freunden: auf  ClickClickDecker ist verlass und das gilt auch für 2009.

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