Spinnerette: Kreativ in der Babypause

06.01.09

Etwas mehr als 7 Jahre ist nun her, dass eine, aus welchen Gründen auch immer, stark genervte Brody Dalle, nach Beendigung des Gigs ihrer bis dato noch unbekannten Band The Distillers im Vorprogramm von Agnostic Front,  eine leere Bierflasche von der Bühne aus in Richtung des Verfassers dieser Zeilen kickte. Musikalisch, verhaltenstechnisch und privat hat sich seit dem viel im Hause Dalle getan und nach Mutterschaftspause und dem Ende von The Distillers, ist die Rockröhre mit ihrer neuen Band Spinnerette zurück im Rampenlicht.

Da zu dem Zeitpunkt des besagten Attentats, das Zentrum Altenberg in Oberhausen noch oder wieder leer war, musste ich die ganze Sache wohl oder übel persönlich nehmen. Groll ist keiner geblieben, sondern nur jene halbwegs amüsante Anekdote. Ein Jahr später erschien mit Sing Sing Death House ein wirklich großartiges Album der Distillers, dessen Stil wohl angemessen mit dreckiger Rotzpunk umschrieben werden könnte. Der Durchbruch für Dalle, auch wenn noch nur in einem bestimmten Käufersegment. Von da an tat sich viel im Leben der damals 23jährigen.

Erst ließ sie sich von Hellcat-Labelboss, Rancid-Sänger und Kultfigur Tim Armstrong scheiden, um sich dann einen noch bekannteren Karpfen aus dem Rockteich zu angeln. Besagter Sänger von den Queens of the Stone Age, namentlich Josh Homme, wurde ebenfalls geehelicht und Nachwuchs in die Welt gesetzt. Dazwischen erschien 2003 mit Coral Fang ein neues The Distillers Album, welches von einem Stil- und Imagewechsel begleitet wurde und recht erfolgreich war. Zwar immer noch zum Teil durch einen dreckigen Sound geprägt, doch wesentlich gemäßigter und rockiger. Nach dem nur noch Brody von der ursprünglichen Besetzung übrig war und auch sonst reichlich Musiker verschlissen wurden, kam 2006 dann das Ende für The Distillers, wohl auch wegen besagter Mutterschaft.

Ende 2007 wurde nun die neue Band Spinnerette bekannt, zu der außer Distillers-Gitarrist Tony Bevilacqua, und dem ehemaligen Chili Peppers Schlagzeuger Jack Irons, auch Josh Homme Weggefährte Alain Johannes gehört. Vor knapp einem Monat erschien nun mit der Ghetto Love EP die erste richtige Veröffentlichung von Spinerette. Der titelgebene Song klingt allerdings wie eine monotone B-Seite von QOTSA, auch wenn die Stimme von der ehemaligen Punk Queen recht schön zur Geltung kommt. Vielleicht wächst der Song ja noch. “Valium Knights” ist dann ein verdammter Hit, der eher zu den prä-Coral Fang Distillers gepasst hätte. Da wäre er aber wohl nicht so melodisch ausgefallen. “Distorting a Code” ist ein lupenreiner Popsong, der irgendwie fast an Blondie erinnert und Bury my Heart ein Radiorocker. Das war´s. Vier Songs in knapp 13 Minuten und das in Europa bisher ausschließlich für 5 Dollar als Download auf der Band-Website. Schon okay das Ganze, aber mit Sicherheit ausbaufähig.

The Distillers – Ghetto Love



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