Interview: CampusFM

16.12.08

Foto: George Furtkamp

In den USA sind College Radios weitaus bekannter als in Deutschland. Doch auch hier gibt es diese Bereicherung der nichtkommerziellen Radiolandschaft: Gemacht von Studenten für Studenten.

Nicht nur zur Förderung studentischer Kultur sondern auch zur Ausbildung angehender Medientechniker oder Journalisten kann so ein Hochschulradio dienen.

Das CampusFM von der Universität Duisburg-Essen hat uns dazu ein paar Fragen beantwortet.

Benedikt für Alles ist Pop: Seit wann gibt es CampusFM und welche Idee steckt dahinter? Oder: Warum braucht eine Uni denn eigentlich einen Radiosender?

Astrid für CampusFM: Den Sender CampusFM gibt es seit 2005. Den Trägerverein CampusFM e.V. gibt es schon seit 2001. Zu Beginn hießen wir noch RadioDue, in Anlehnung an die Fusion der Universitäten Duisburg und Essen. Eine Hochschulradio hat natürlich ganz klar die Studenten als Zielgruppe. Unsere Musik und unser Programm sind auf sie ausgerichtet. Da wir aber auf UKW senden, mit großer Reichweite, gibt es bei uns auch Musik-Rotationen, die Klassiker enthalten und die im normalen Mainstream-Radio selten oder gar nicht mehr gespielt werden. Wir klingen eben anders!

Ihr seit das “offizielle Hochschulradio der Universität Duisburg-Essen”. Wie sieht es denn aus in Sachen Zusammenarbeit mit bzw. Unabhängigkeit von der Universität? Wie finanziert sich CampusFM?

Einzelne Bereiche der Uni unterstützen uns maßgeblich, so z.B. Mitarbeiter aus dem Fachbereich Ingenieurwissenschaften (Hochfrequenztechnik). Die kümmern sich um die Sendeanlage. Die Uni selbst unterhält die Sendeanlage und stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung. Gelder erhalten wir von der Uni nicht. Lediglich der ASTA in Essen unterstützt uns. Ansonsten finanzieren wir uns hauptsächlich aus Mitgliederbeiträgen für den Trägerverein, Spenden und Sponsoring.

Anfang des Jahres ist mit ByteFM ein weiteres professionelles Radio gestartet, was sich ausschießlich per Internetstream empfangen lässt. Warum bestreitet ihr auch den recht aufwändigen “traditionellen” Weg über den Äther?

Auch wenn die Technik schon weit vorangeschritten ist, so lässt sich ein Internetstream nicht überall empfangen. Auf dem Weg zur Uni, in der Bahn oder im Auto erreicht der “traditionelle” Weg über den Äther einfach mehr Leute.

Ein Internetstream ist ja (zumindest technisch) noch recht fix  aufgesetzt. Lizenzrechtlich kommt dann aber schon die GEMA ins Spiel. Bei echtem Radio wird es noch komplizierter: Man brauch eine UKW- Sendelizenz, noch mehr Technik und noch mehr Know-How. Was waren bis  jetzt eure größten Hürden und wie habt ihr sie gemeistert?

Technische Probleme hatten wir diesen Spätsommer. Dank eines Unwetters inkusive Gewitter, hat ein Blitzeinschlag an der Uni Essen für einen kurzen Stromausfall gesorgt. Das hat unsere Technik nicht verkraftet, so dass Livesenden nicht mehr möglich war. Diese “Zwangspause” kam aber gar nicht mal ungelegen. Wir haben zum selben Zeitpunkt auch die Möglichkeit bekommen, unser Studio in einen fast dreimal so große Raum zu verlagern. Zudem haben wir die Zeit genutzt, um neue Produktionsplätze und Rechercheplätz einzurichten. Ein paar von uns haben teilweise ganze Samstag dort verbracht, um alles neu zu verlegen etc.

Viel größere Probleme hat uns aber der Personalmangel gebracht. Viel zu wenig Leute und viel zu viele Aufgaben. Das ist aber nun vorbei. Seit diesem Semester können Studierende nämlich auch ein Praktikum im Rahmen ihres Bachelorstudiengangs absolvieren. Dafür bekommen sie je nach Stundenaufwand 3 bis 4 Creditpoints. Der Ansturm war enorm. Im Moment werden bei uns 25 Praktikanten grundausgebildet. Sie durchlaufen eine Quali-Maßnahme, mit der sie auch berechtigt sind, Bürgerfunk zu machen. Ab Mitte Dezember finden Sie sich bei mir im Nachrichtenworkskop wieder.
Wir versuchen im Moment einen größeren Raum für die Redaktion zu finden. Soviele Mitarbeiter hatte das Campus-Radio noch nie.

Gib doch bitte einen kurzen Überblick über die von euch eingesetzte Technik. Womit ist euer Sendestudio ausgestattet? Was für eine Sendeleistung habt ihr? Welche Hardware und Software setzt ihr bei euren Streaming Servern ein?

Die Sendeleistung in Essen beträgt derzeit 25 Watt. Wir sind jedoch in Besitz einer Lizenz mit der wir mehr Leistung fahren dürfen. Sobald die neue Sendeanlage in Essen steht erreichen wir noch mehr Zuhörer. In Duisburg testen wir uns an die neue Sendeleistung bis zu 200 Watt Schritt für Schritt heran. Derzeit strahlen wir mit 50 Watt unser Programm in Duisburg aus.

Wie benutzen einfachste Studiotechnik. Die Anfangstechnik haben wir damals von Eldoradio in Dortmund bekommen. Das war z.B. ein Mischpult von Wheatstone. Das neue Mischupult und unser Studiomikros sind von Allen&Heath. Darüberhinaus arbeiten wir neuerdings mit digitalen Aufnahmegeräten. Diese unterstützen unsere vorherigen MiniDisc – Aufnahmegeräte.

Bearbeitet werden unsere Beiträge mit Audacity, Cool Edit oder sogar noch mit dem “klassischen” Triple Dat.

Die Leitung für den Livestream stellt uns das Hochschulrechenzentrum (HRZ) zur verfügung. Diesen Sendeweg zu betreuen und zu überwachen ist auch Aufgabe unserer Techniker.

Wie wird die Musikauswahl für CampusFM getroffen? Habt ihr ein durchgängiges Musik-Profil oder macht das der Moderator einer Sendung im Alleingang oder gar der automatisierte DJ Random?

Die Musikauswahl trifft natürlich unsere Musikredaktion. Die setzt sich derzeit aus Mitarbeitern zusammen mit den unterschiedlichsten Geschmäckern. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass Indie bei uns dominiert. Die ausgewählte Musik läuft bei uns dann über Raduga, also automatisiert. In Livesendungen kann der Moderator auch selbst entscheiden was gespielt wird.

Wo seht ihr die Stärken und Daseinsberechtigungen eines eher klassischen Radios verglichen mit “User Generated Radio”, wie z.B.  bei laut.fm? Ist es nicht – besonders in der Musikauswahl – schwierig, wenn man keine Nische füllen sondern allen gefallen will?

Bis jetzt haben wir für unsere Musikauswahl schon viel Lob bekommen. Ich denke, unser Vorteil als Hochschulradio ist, das bei uns auch tagsüber Musik gespielt wird, die in den Mainstream-Radios meist erst in den Abendsendungen Platz finden.
Web 2.0 ist schon eine feine Sache. Aber für mich persönlich ist Radio eben auch ein Medium, was einen durch den Tag begleiten kann. Mir geht’s neben der Musik eben auch um Informationen, Nachrichten. Ich möchte es einschalten, wenn ich an der Bushaltestelle warte und mich dann bedienen lassen.  Darüber hinaus bin ich, was “User Generated Radios” betrifft auch nicht über all die Möglichkeiten informiert. Last.fm nutze ich auch gelegentlich, dann allerdings zu Hause.

Selber Radio zu produzieren ist eine spannende aber auch aufwändige Angelegenheit. Wie kann man daran teilhaben und mithelfen bei CampusFM?

In erster Linie sollte man uns natürlich hören! Dann könnte man auf der Homepage vorbeischauen www.campusfm.info oder auf unserer Myspace www.myspace.com/radiocampusfm.
Finanziell kann man uns spenden, man kann dem Trägerverein beitreten oder als Student ein Praktikum absolvieren oder einfach nur so mitmachen. Wir sind immer auf der Suche nach Mitarbeitern für die Musikredaktion, Wordredaktion, Onlineredaktion oder den technischen Bereich.

Vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg mit CampusFm!

3 Responses to Interview: CampusFM

  1. [...] bevor ich mich verabschiede und es für einen Kurztrip nach Bremen geht. Ein Interview über CampusFM auf Alles-Ist-Pop, bei dem ich Rede und Antwort [...]

  2. [...] Interview: CampusFM – Alles ist Pop Nicht nur zur Förderung studentischer Kultur sondern auch zur Ausbildung angehender Medientechniker oder Journalisten kann so ein Hochschulradio dienen. – Hüstel… (tags: radio) [...]

  3. [...] ich mich verabschiede und es für einen Kurztrip nach Bremen geht. Ein Interview über CampusFM auf Alles-Ist-Pop, bei dem ich Rede und Antwort [...]

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