Das Jahr 2008 ist langsam auf der Zielgeraden eingebogen und das bedeutet: Gar nicht mehr lange bis zur Veröffentlichung des neuen ClickClickDecker Albums “Den Umständen entsprechend” im kommenden Januar. Wir berichteten bereits. Ein erster Vorbote ist die Download-Single “Es fäng an wie es aufgehört hat”, die ab dem 12. Dezember zu haben ist. Erfreulicherweise war Kevin a.k.a. Click bereit, Jan von Alles ist Pop ein paar Fragen zu beantworten.
Jan für Alles ist Pop: Du hast dich eine ganze Zeit lang ausschließlich mit Bratze beschäftigt, zumindestens wirkte es so: Keine ClickClickDecker Konzerte oder andere Lebenszeichen. War das eine ganz bewusste Pause oder allein die Lust musikalisch mal etwas anderes auszuprobieren?
ClickClickDecker: Ganz bewusst, Bratze hat sehr viel Zeit eingenommen und Click ging ja schon weiter, halt nur nicht in der Öffentlichkeit. Nebenbei habe ich das neue Album geschrieben und aufgenommen. Keine Konzerte zu spielen war eine für mich sinnige Überlegung, da ich mir irgendwie schlecht vorstellen konnte an dem einen Tag mit Bratze auf der Bühne zu stehen und am darauffolgenden Tag als Click.
Man könnte vermuten, dass es durchaus große Unterschiede zwischen einem Bratze- und einem ClickClickDecker-Publikum gibt. Kamen viele bekannte Gesichter zu den Shows? Elektronische Musik mit einem gewissen Trash-Charme boomt zur Zeit ja gewaltig in Deutschland, woran Audiolith sicher seinen Anteil hat. Heute feiern Leute auf beispielsweise Egotronic, für die dies vor eineinhalb Jahren unvorstellbar gewesen wäre. Wie bewertest du dieses Phänomen?
Es gab schon des öfteren Überschneidungen, aber auch viele Leute die über
Der Tante Renate von uns gehört bzw. deswegen zu unseren Shows kamen. Das war ja auch der Gedanke dabei, das wir uns zusammentun um diese beiden Dinge mit einander zu verbinden. Ich finde auch diesen Trash Stempel nicht wirklich passend, wir arbeiten schon an den Stücken und überlegen uns genau was wir sagen wollen, bzw wie wir was zum Ausdruck bringen wollen. Ich denke die anderen Audiolith Bands tun es genauso. Das Phänomen ist mir egal, das geht auch wieder vorbei. Mich freut daran, dass Audiolith und Bands wie Egotronic, Juri Gagarin oder auch Der Tante Renate die seit Jahren den Shit machen, endlich bekommen was Ihnen zusteht.
Jetzt aber zum neuen Album: Wie und wann sind die Songs entstanden und was erwartet den Hörer musikalisch und thematisch? Lassen sich Unterschiede zu den vergangenen Platten festmachen?
Nebenbei. Es war diesmal nicht so, dass ich mich wie z.B. für „Nichts für ungut“ an die Arbeit gemacht habe, weil ich jetzt Nachschub brauchte. Sondern irgendwann waren einfach genügend Songs fertig und ich dachte, huch….dann kann auch ein neues Album kommen. Einige sind noch in den letzten Zügen entstanden als feststand dass die Platte das erste Mal im Studio mit mehren Leuten eingespielt wird. Was auch den Unterschied zu den alten Sachen macht. Es ist ein Hybrid aus immer noch Schlafzimmeraufnahmen und Studioaufnahmen. Ich habe zum Glück jemanden gefunden, der sich der Platte annahm und in den ich genügend Vertrauen hatte dass er der neuen Platte das richtige Gewand geben könnte. Das Album ist geschlossener und reifer(dummes Wort) als seine Vorgänger.
Wie war die Zusammenarbeit mit Tobias Bade und Oliver Stangl bei der Produktion von “Den Umständen entsprechend”? Ist es nicht merkwürdig, ein Stück weit die eigenen Songs “loszulassen” und vielleicht andere Ideen zu akzeptieren ?
Das war für mich eine neue aber am Ende ziemlich gute Erfahrung. Man wird ja mit der Zeit betriebsblind und es kann schnell sein dass man in immer dem gleichen Mist kleben bleibt. Deshalb war es sehr erfrischend mit den beiden zusammenzuarbeiten. Sicherlich war es nicht immer ganz einfach, weil ich auch sehr dickköpfig bin in vielen Angelegenheiten. Aber die beiden haben alles super ausgeglichen und von dem was dabei rauskam bin ich mehr als überzeugt! War ne geile Zeit, schade dass es vorbei ist.
Auf CCD-Alben gibt es meiner Meinung nach immer diese “Pferde satteln, weiter reiten”-Mentalität, bei aller auch vorhandenen Melancholie. Songs für den gebeutelten Großstädter? Gibt es eine bestimmte Haltung, deren Vermittlung dir wichtig ist und schreibst du in erster Linie erstmal für dich allein Lieder?
Für mich allein schreibe ich sicherlich nicht, dann würde ich keine Platten veröffentlichen. Und ja, das ist mir schon wichtig den Alltag der manchmal sehr bitterlich schmeckt zu beschreiben, aber trotzdem auch zu sagen: Wenn man immer nur zurückschaut, ist irgendwann nichts mehr da!
Gerade die Tatsache, dass du wieder bei Audiolith veröffentlichst, spiegelt scheinbar deine authentische, ablehnende Haltung gegenüber der Musikindustrie. Ist das deine Maxime: Mit Freunden Platten aufnehmen und rausbringen? Hast du nie einen Gedanken daran verschwendet, dich doch einmal einem größeren Label anzuschließen, wenn nicht gar einem “hinterher hinkenden Major”?
Den Gedanken daran verschwendet habe ich schon. Die Betonung liegt auf „verschwendet“. Eigentlich kann mir nichts besseres passieren als Lars von Audiolith, er glaubt an seine Künstler, steckt jede ihm zur Verfügung stehende Zeit und Geld darein. Wir haben keine ablehnende Haltung gegenüber der Musikindustrie, wir stecken ja selber drin. Unabhängigkeit ist uns sehr wichtig. Lars würde mir nie reinreden. Manchmal muss er mich zurechtweisen oder sagt dass ihm was nicht passt oder dass ich gerade nerve mit meiner Unentschlossenheit oder dummen KünstlerVorstellungen. Aber ich müsste mich nie verkrümmen oder Dinge tun auf die ich keinen Bock hab. Das ist schon ein sehr wichtiger Vorteil.
Zum Abschluss eine Frage zur rasant zunehmenden Digitalisierung von Musik und die gleichzeitige Abkehr vom klassischen Album. Meiner Meinung nach verkommt Musik immer mehr zu einem fastfood-artigen Phänomen. Wie siehst du das? Kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem es sich nicht mehr lohnt ein Album aufzunehmen?
Sicher macht es für manche Musiker irgendwann keinen Sinnn mehr Alben zu veröffentlichen,…vielleicht ist es auch ein Segen für sie. In der grossen Industrie wird ja schon immer auf Singles gepocht und das Album dann mit 3 Hitsingles und dem Rest nur Mist vollgestopft. Ich finde es immer schön ein geschlossenes Album zu veröffentlichen. Die richtige Reihenfolge der Stücke, Zusammenhänge, dazu ein Cover und und und…Alben finde ich geil!
Vielen Dank und alles Gute!!!

Das mag jetzt albern sein, weil ich (zumindest theoretisch) selbst hier beteiligt bin – aber danke für dieses tiptop Interview. Schließlich kommt ein Herr Hamann, obwohl sich der Eindruck breitmacht/bestätigt, dass er sehr Vernünftiges und Interessantes auf überlegte Fragen zu antworten hat hat, nicht allzu oft so ausführlich zu Wort.
öhm, das live-foto aus dem nachtasyl gehört mir.
veröffentlicht habe ich es auf meinem flickr-account (http://flickr.com/photos/ursiursi/1386666927/) und da is eigentlich ein copyright drauf. wenn click das so gut gefällt, dass ers auf seinem myspace hat, freut mich das. wenn das aber ohne irgendeinen credit in auf anderen webseiten veröffentlicht wird, finde ich das nicht ok.
Habe in der Tat das Bild dem Myspace Profil des Künstlers entnommen und dort ist keine Quelle oder kein Urheber ersichtlich. Kann mich nur tausendfach entschuldigen. Das Ganze ist mir doch sehr unangenehm und peinlich. Es war nicht meine Absicht, ein bestehendes Copyright zu verletzen.
Habe inzwischen die “richtige” Quelle ergänzt, würde aber wenn gewünscht das Bild ganz entfernen.