Interview: T5, unabhängiges Zentrum Duisburg

Für uns ist vielleicht Alles Pop. Für die Marktwirtschaft jedoch nicht. Dort zählt nicht was “gut” ist, sondern was kommerziellen Erfolg verspricht. Gerade darum sind selbstverwaltete, unabhängige kulturelle Freiräume wichtig.

In zeiten knapper Stadtkassen ist mit öffentlicher Förderung jedoch nur in den seltensten Fällen zu rechnen. Doch es geht auch ganz ohne: DIY ist das Zauberwort.

Nach längerer kultureller Dispora gibt es nun endlich auch in Duisburg wieder einen Raum, um Kultur abseits des Mainstreams zu ermöglichen. Der eingetragene Verein Mustermensch hat ein zu Hause: Es heisst T5, unabhängiges Zentrum Duisburg.

Konzerte, Lesunge, Theater und Workshops sollen dort ermöglicht werden. Diesen lobenswerten Ansatz soll das folgende Interview beleuchten. Es geht um Hintergründe und aktuelle Projekte sowie Zukunftsperspektiven des Vereins und dem Ort des Geschehens.

Benedikt für Alles ist Pop: Beschreib doch bitte kurz was das T5 bzw. der Mustermensch e.V. ist!

Sarah für Mustermensch: Den Verein Mustermensch e.V. haben wir 2005 gegründet, um selbstbestimmte Kultur zu fördern, zu etablieren und dafür ein Haus zu suchen. Denn Räumlichkeiten, die dafür genutzt werden konnten, gab es seit der Schließung der „Fabrik“ nicht mehr. Im Spätsommer diesen Jahres haben wir Kontakt mit dem Vermieter des „FiftyFiftys“ aufgenommen, im Herbst konnte der Vorstand den Mietvertrag unterschreiben. Das T5 ist nun unser Vereinslokal. Es ist also keine öffentliche Kneipe. Dennoch können interessierte Menschen immer gerne vorbeikommen, um sich zu informieren und eventuell selbst aktiv zu werden.
Alles was in den Räumen des T5 dargeboten wird, wird von Interessierten und Engagierten je nach Lust und Interesse ausgesucht und umgesetzt. Wenn jemand etwas im Kultur- und Veranstaltungsprogramm ergänzen will, weil er es vermisst, helfen wir ihm gerne diese Lücke zu schließen. Unser Mustermensch-Netz unterstützt dabei, damit aus Wunsch Realität wird.

Die Forderung nach einem alternativen Zentrum in Duisburg besteht ja nun schon knapp 5 Jahre. Wie sah eure Zusammenarbeit mit Kulturpolitikern der Stadt aus? Wurde das Ziel eures Vereins überhaupt wahrgenommen, akzeptiert, nur toleriert oder euch aktiv Steine in den Weg gelegt?

Schon kurz nachdem der Verein sich vor dreieinhalb Jahren öffentlich vorgestellt hat und Interesse und Zuspruch enorm war, haben wir auf verschiedene Art auf uns aufmerksam gemacht. Da war zum einem die lustig-bunte Demo quer durch die Innenstadt, die an markanten Punkten stoppte und Bands aufspielen ließ Das ging weiter über Info-Cocktailstände auf Veranstaltungen; die Organisation diverser Konzerte in unterschiedlichen Lokalitäten; Sponti-Aktionen in der City (Billard, Kickern, Tombola, nach dem Motto solange MM obdachlos ist, haben wir nur das Himmelszelt) bis hin zu Gesprächen mit der Stadt.
Wir haben uns mit Vertretern des Kulturamtes getroffen, erklärt worum es geht, dass wir uns sehr freuen würden, wenn wir bei der Suche nach einem Gebäude unterstützt werden würden, wir aber vor allen Dingen kein Geld haben wollen. Wir wissen ja, die Stadtkasse ist leer. Anfangs wurde uns auch mit Wohlwollen begegnet. Uns wurde das Künstlerhaus am Schwanentor vorgeschlagen. Allerdings hätten wir zu diesem Gebäude imaginäre Besucherparkplätze kaufen müssen, ohne diese wäre keine Veranstaltung möglich gewesen. Trotz Nachhakens schlief der Kontakt ein.
Es wurden uns keine direkten Steine in den Weg gelegt, aber Ignoranz kann auch eine Mauer bilden. Ich glaube, die Leute haben auch nicht verstanden, wie die Kosten mit ehrenamtlicher Arbeit getragen werden können. Das Prinzip des DIY (Do it yourself) ist vielen sehr fremd.

Wie habt ihr denn das ehemalige Fifty-Fifty neugestaltet?

Die ehemalige Kneipe wurde entrümpelt, saniert, renoviert, repariert, entkernt, gestrichen, gesäubert und dekoriert. Dennoch gibt es immer noch viel zu tun, z.B. der Keller, ein Behindertenklo, Telefon ….

Wo wir schon beim Ex-Fifty sind: Gerade vom nahegelegenden Bunker kamen einige Bands aus ihrem Proberaum um noch ein Bier zu trinken und ggf. im Keller noch ein wenig zu jammen. Wird es diesen Musikkeller weiter gebe?

Ja, das Fundament des Hauses steht noch. Dieser Keller hat eine immense Ausstrahlung, er ist ein Mythos und übertrifft noch den legendären Ruf der ehemaligen Kneipe. Nach der allgemeinen Höflichkeitsfrage von Neugierigen, was das denn hier sei, folgt schon die nächste: „Was ist mit dem Keller, wird der wieder öffnen?“ Wenn sich Leute finden, die Interesse und Ehrgeiz haben den Keller entsprechend zum Jammen einzurichten, dann wird er auch wieder existieren. Momentan muss u.a. auch noch an der Belüftung und an einem Notausgang gefeilt werden.

T5 - das UZ Duisburg

Wie gedenkt ihr denn das UZ in Zukunft zu finanzieren?

Das ist ein Kreislauf: Das T5 gibt Raum für Veranstaltungen, auf den Veranstaltungen wird gespendet, diese Spenden werden für die laufenden Kosten benötigt, damit das T5 gehalten werden kann, damit Veranstaltungen organisiert werden können, auf denen gespendet wird ….. Wir haben eben keine Personalkosten, der Genuss der ehrenamtlichen Arbeit ist Belohnung genug, Lob und Anerkennung nicht zu vergessen ;) Zukünftig werden wir eventuell auch für verschiedene Projekte Fördergelder, beispielsweise von der EU, beantragen.

Gibt es Gruppen oder Vereine der Umgebung mit denen ihr in Kontakt steht oder Zusammenarbeitet?

Bei unseren wöchentlichen Versammlungen, jeden Donnerstag um 20 Uhr, haben sich schon verschiedene Gruppen vorgestellt, die Lust haben Abende zu gestalten, die Anfragen sind zahlreich: Da gibt es die Gewerkschaft FAU; das Indykino, das vor Kurzem noch im Djäzz Filme zeigte, wird ab Januar bei uns aktiv; die Bezirksschülervertretung. Andere stehen schon in der Warteschlange.

Bei einem ersten flüchtigen Blick auf eure zukünftigen Veranstaltungen mag der Eindruck entstehen, dass ausschließlich Punk Bands auftreten. Ist das euer angepeiltes Profil?

Nöö, wie oben schon erwähnt wird das Programm immer die Leute widerspiegeln, die sich engagieren. Zur Zeit sind es tatsächlich mehrheitlich Punks, die natürlich ihrem Musikgeschmack frönen. Allerdings gibt es auch die Elektro-Fraktion, die z.B. am Eröffnungswochenende das Konzert mit Supershirt organisiert hat. Je mehr Leute mit verschiedenen Musikgeschmäckern mitmachen, desto vielfältiger kann das Programm aussehen. Wobei nicht alle Termine für Konzerte vorgesehen sind. Lesungen, Theater, Vorträge, Workshops, Kneipe zählen auch dazu.

Der Name des unabhängigen Zentrums lautet T5 und spielt so auch auf den Namen/das Motto eures Vereins an: Gemustert – Ausgemustert – Kultur abseits des Mainstreams. Eine fast schon kulturphilosophische Frage: Gibt es in einer so stark pluralisierten Gesellschaft wie der unseren überhaupt noch einen Mainstream?

Ja, es gibt den kommerziellen Mainstream, der in jedem bisschen eine Marktlücke sieht. Jede neue Regung wird aufgesogen, extrahiert und dann der schmachtenden Masse zum Fraß vorgeworfen. Für den Augenblick ist vorerst der Hunger nach Erleben gestillt. Alles ist schnell zu haben und schnell wegzuwerfen. Alles ist beliebig, Verantwortung für eigenes Tun und Handeln sind nicht von Nöten, Konsequenzen müssen nicht getragen werden. Unmündigkeit rules. Insofern wirst du im T5 keinen Ort der Dienstleistung finden. Das ist anstrengend, aber ehrlich.

Das T5 öffnete seine Pforten am 14. und 15. November mit gleich zwei Eröffnungspartys. Was steht in Zukunft an Terminen an?

Siehe www.mustermensch.org.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für das T5!

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