Um mal eines vorab zu klären: Die folgenden Zeilen handeln nicht von dem weit über die Grenzen Duisburgs hinweg bekannten “Eventschloss”, denn das ist eine ganz andere Baustelle. Hier geht es vielmehr um eine verdienstvolle Band, die seit nun über 6 Jahren einen als Schaffenspause betitelten Dornröschenschlaf schläft. Ob Pulp jemals wieder reaktiviert werden ist dennoch, wenn nicht unwahrscheinlich, dann doch immerhin fraglich. Frontmann Jarvis Cocker geht egozentrisch und unbekümmert seinen Weg, der ihn u.a. eine Rolle in einem Harry Potter Film eingebracht hat. Schon merkwürdig für einen Mann, der in der Vergangenheit eher durch demonstrierte Unangepasstheit aufgefallen ist und sich nun scheinbar hemmungslos in den Mahlstrom der Unterhaltungsindustrie wirft.
Nebenbei hat Cocker inzwischen bereits zwei, doch sehr mäßige Soloalben veröffentlicht, die gar nicht groß der Rede wert sind. Daher schnell wieder zurück zu Pulp, denn die Geschichte hinter der Band ist doch wesentlich interessanter als Cocker´s Solopfade. Dennoch ist Cocker Pulp und andersrum. Der damals 15jährige Brite gründete 1978 eine Band mit dem sperrigen Namen ‘Arabicus Pulp’, der ungefähr ein Jahr später auf den bekannten Titel zusammen schrumpfte. Pulp fristeten nach Bandgründung beinahe 20 Jahre nur wenig bemerktes Dasein im Unterholz der englischen Musikszene. Gerade in der Frühphase ihrer Karriere standen die Zeichen schnell auf Trennung. Der Grund: vermutlich Erfolglosigkeit. Selbst ein Auftritt in der Sendung des legendären DJ´s John Peel verhinderte nicht, dass ihr Debütalbum ein finanzieller Flop wurde. In der Konsequenz war Jarvis Cocker 1986, 5 Jahre nach der Veröffentlichung des Debütalbums, das einzig verbliebene Gründungsmitglied.
Die folgenden Jahre verliefen für die Band weiterhin durchwachsen bis turbolent und die Trendwende gelang erst nach dem Bruch mit ihrem damaligen Label ‘Fire Records’. Danach stellten sich ab 1992 erste, kleinere Singlehits ein und eben ein Majordeal. Cocker avancierte trotz oder wegen seines schrulligen Looks zu einer Ikone der 90er Britpop Welle, natürlich neben einem gewissen Brüderpaar namens Gallagher. Der meteroitenhafte und unerwartete Aufschwung kulminierte 1995 in einem Meilenstein von einem Album. ‘Different Class’ ist atemberaubend, purer Pop, gleichsam homogener Longplayer
und Anhäufung fantastischer Einzelsongs. Den Anfang machte die Hitsingle ‘Common People’ gefolgt von dem nicht minder großartigen ‘Disco 2000′, aber auch der Rest der enthaltenen Songs hält erstaunlicher Weise das hohe Niveau der Auskopplungen.
Mit den folgenden Alben ‘This is Hardcore’ (1998) und ‘We love life’ (2001) wurde der Sound der Band immer komplexer und die Kritiker blieben wohlgesinnt, doch die Verkaufszahlen entwickelten sich eindeutig wieder zurück. 2002 folgte noch mit ‘Hits’ eine Best-of Platte, die ihrem Namen alle Ehre macht, und das war´s dann. Kreative Pause. Aha! Falls Cocker sich dazu entschließen sollte, Pulp wieder mit Leben zu füllen, kann man nur hoffen, dass das Ergebnis dann auch wirklich vital ist und nicht ein Untoter von einer Band. Vielleicht muss man akzeptieren, dass die Zeit von Pulp vorbei ist, doch wenn man diese Reflektion schon zustande bringt, warum dann das Hintertürchen der mutmaßlichen Pause?
Ein ehrlicher Schlussstrich wäre da doch wesentlich sympathischer. Zumindest zu einer Reunion kann es ja faktisch nicht kommen. Wie auch wenn man sich nicht auflöst? So pathetisch es auch klingen mag, aber die Musik der Band überlebt ihre Urheber, und solange man die Erinnerung an Pulp durch das Hören ihrer großartigen Alben pflegen kann, besteht kein Grund für die berühmte Träne im Knopfloch. Jarvis, mach doch weiter deine uninspirierten Soloalben. Mir egal…
