Verwundertes Augenreiben und dann sickert die Erkenntnis durch: Ja, das ist wirklich der Lyxzén, aber was trägt der denn da? Ist das Samt? Na, lila ist der Anzug in jedem Fall und der Rest der Band ist in ähnliche Gewänder gehüllt. Der alte Einheitslook wird also auch anno 2008 noch gepflegt, aber irgendwie sieht die neue Version dessen aus, als wenn einige erwachsene Männer zu einem Prince Fan-Treffen wollen. Irgendwie steht das neue Bühnenoutfit in Korrelation mit der generellen Entwicklung einer Band, die mal eine absolute Marke war. Ich weiß in Anbetracht des politischen Sendungsbewusstseins der Noise Conspiracy und ihres Anführes war der letzte Satz ein Affront. Stimmt das denn eigentlich noch?
Politik ist sicher immer noch eine wichtige Koordinate im T(I)NC Kosmos, doch die rebellisch gestreckte Faust ist obligatorisch geworden und manchmal drängt sich der Eindruck auf, dass die Schweden den Gestus lediglich noch pflegen. Der optische Wandel vom Camouflage-Look der Anfangstage, über die abgegriffene Rot-Schwarz -Ästhetik hin zu den kitschigen Glamrock-Kostümen ist mehr als nur ein Zufall. Aber wer will es ihnen verübeln, dass sie lediglich noch eine politische Band sind und nicht mehr die agitatorischen Frontsäue einer ganzen Generation. Schon Lyxzéns Nebenprojekt The Lost Patrol Band mit ihrem catchy-altbackenen Powerpop lieferte deutliche Anzeichen für einen generellen Wandel des ehemaligen Refused-Sängers, der insgesamt weniger verkrampft wirkt.
Am 14. November erscheint mit ‘The Cross of my Calling” ein neues Album der Noise Conspiracy, wieder produziert von Regler-Legende Rick Rubin. Die ersten Eindrücke wissen zu gefallen und gerade das zum Download freigegebene “I am the Dynamite” macht mächtig Appetit auf mehr. Mich persönlich hatte das letzte Album der Band alles andere als vom Hocker gerissen und ob der kommende Longplayer noch einmal zu begeistern weiß…Das Artwork im 13th Floor Elevators Style sieht jedenfalls schonmal richtig gut aus, und die Ankündigung “More Soul, less Punk” ist jetzt auch nicht gerade abschreckend. Auf ein gelungenes Comeback, in Purpur und Samt!
Ab Ende November ist die Band auf Europa Tour und u.a. gastieren sie am 20. Dezember im Palladium zu Köln.
Leider hat sich der erste, frühe Eindruck nicht bestätigt. Bis auf wenige Ausnahmen wie “Arm Yourself” ist das neue Album zahnlos, seicht und belanglos. “The Cross of My Calling” bedient sich zwar noch stärker bei verschiedenen, in den 60er Jahren beliebten Spielarten, doch das Ergebnis klingt leider eher schlecht abgekupfert als gut adaptiert. Im Laufe des Albums wird die immanente Belanglosigkeit immer deutlicher und erinnert in seiner Schlichtheit eher an Lyxzéns Nebenprojekt The Lost Patrol Band. Ich würde sagen, dass war es endgültig mit der guten Reputation.