The Audience tauchten 2007 mit dem bemerkenswerten Album ‘Celluloid’ auf der Bildfläche auf und hinterließen Eindruck. Positiv-verkopft und zwischen verschiedenen musikalischen Stühlen sitzend, eigeneten sich die Songs gleichermaßen für die Tanzfläche und den Lesesessel daheim. Im November erscheint mit ‘Dancers and Architects’ bereits der nächste Streich und dies ist mehr als nur ein guter Grund, sich von Sänger Bernd Pflaum einige Fragen beantworten zu lassen…
Mit ‘Dancers and Architects’ erscheint im November euer zweites Album und die sich aufdrängende Frage lautet natürlich: Wie klingt es? Mein erster Eindruck ist, dass der Titel bereits ein Licht auf die Neuerungen wirft. Einerseits klingen die Songs geordneter und gleichzeitig wurde die Tanzbarkeit weiter erhöht, dann aber auch wieder zurückgenommen…
Ich denke, wenn man das fertige Ergebnis hört, kann man zu diesem Eindruck gelangen, aber es gab von uns keinen aktiven Schritt, der dazu geführt hat, dass wir die Songs tanzbarer und geordneter machten wollen. Eher war es ein werden und zulassen, als ein planen und arrangieren. Wir wollten kein „Dancers and Architects“ – Korsett erschaffen, in welches wir die Ideen hineinschnüren wollten. Es war eher ein frei werden, ein ablegen des alten celluloiden Umhanges, den wir fein säuberlich an die Wand hängten, um ihn parat zu haben, wenn wir ihn brauchen. Es ist ein Weiterdenken des Begonnenen. Man könnte es eher mit einem Architekten vergleichen, der sich an den Grundprinzipien, an den Gesetzen der Schwerkraft und der Statik festhält, der aber nach der Freiheit, nach der Leichtigkeit strebt, dass Innen nach Außen zu kehren, um dem Innen mehr Platz zum Atmen bieten zu können.
Es ist wenig Zeit zwischen den beiden Alben vergangen, was eher als ungewöhnlich zu bezeichnen ist. Wann ist das neue Material denn entstanden? Nach einem Album folgt normalerweise ja eine ausufernde Tour und dann erst eine längere Pause…
Ja, es lag wirklich sehr wenig Zeit zwischen den beiden Alben. Seit dessen Veröffentlichung haben wir knappe 80 Shows gespielt. Im Winter 07/08 sind die Songs entstanden und von März bis Mai 2008 waren wir im Studio. Danach haben wir den Festival Sommer genossen.
Eines der vielen stilbildenden Elemente ist definitiv die Orgel, wodurch bei manchen Leute sofort die “Retro”-Alarmglocke läutet. Wie siehst du das und stört es nicht gewaltig, ständig aus Unwissenheit heraus dieses eher bedeutungsleere Etikett angeheftet zu bekommen, welches eurer Band und der musikalischen Bandbreite sicher nicht gerecht wird?
Es ist witzig, dass es wieder die Orgel ist, die für den Zuhörer heraus sticht. Für uns ist sie neben dem Schlagzeug, der Gitarre, dam Bass und dem Gesang nur eines von fünf gleichberechtigten Events in unserer Musik. Und das mit dem Retro ist eine schwierige Sache. Ich glaube dass wir viel mehr Bandbreite zu bieten haben als nur Retro. Aber Retro ist für viele Menschen eine einfache Schublade, die ihnen Sicherheit und Orientierung gibt, das Gehörte in ihren Musikkosmos einzuordnen und zu sortieren. Wir hoffen nur, dass diese Schublade bei den meisten Hörern klein und fein ist. Und keine Ramschkiste. Jeder Musikhörer hat mehr oder weniger Schubladen mit Etiketten, auf denen die Überbegriffe stehen. Und ich glaube auch das zwei verschiedene Zuhörer die gleiche Band in verschiedene Schubladen platzieren, weil ihnen unterschiedliche Aspekte der Musik wichtiger und andere weniger wichtig erscheinen
Die Grundzutaten eurer Musik stammen durchaus aus unterschiedlichen Jahrzehnten: 60er, 70er, 90er? Welchen Wurzeln siehst du und ist die musikalische Sozialisation einzelne Bandmitglieder dabei entscheidend und das Ergebnis dann ein Konsens-Produkt?
Ich denke das Ergebnis ist nicht zu 100 Prozent ein Konsens-Produkt. Bei Konsens schwingt immer mit, dass es die Möglichkeit der Unzufriedenheit gepaart mit der gleichzeitigen stillen Zustimmung gib. Bei uns wird aber jede Unzufriedenheit mit einer Idee bis zur jeglichen Zufriedenheit des einzelnen weitergesponnen. Das ist oft sehr anstrengend, aber es ist für unseren musikalischen Prozess sehr wichtig. Und so entstehen aus den verschiedenen Geschmäckern, in den Schnittmengen aller, einzelne Musikzitate, die wir durch Neukombination in unsere Musik einfließen lassen.
Der Vorgänger “Celluloid” wurde beachtlich wohlwollend in der bundesweiten Musikpresse aufgenommen und der Schritt aus dem Schatten der berühmtesten Söhne Hersbrucks (The
Robocop Kraus) ist gelungen. Beeinflusst das gesteigerte Interesse den Entstehungsprozess eines neuen Albums? Stichwort: Erwartungen!
Das gesteigerte Interesse schmeichelt uns und es freut uns, dass die Medienlanschaft uns gut aufgenommen hat, aber es beeinflusste uns in keinster Weise beim Schreiben neuer Songs. Im Studio sind wir aber aktiv einen anderen Weg als beim alten Album gegangen. Das hatte jedoch nichts mit dem Erwartungsdruck sondern eher mit der Neugierde an anderen Sounds zu tun.
Doch noch eine Frage zu eurer Heimatstadt, denn es ist einfach beachtlich, wieviele talentierte Bands aus dieser 12000 Seelen Kleinstadt stammen. Gibt es wirklich eine richtige, intakte Szene oder gar ein Netzwerk zwischen den Bands oder ist dies nur der gewollte Blick von außen auf eine “gute” Geschichte”?
Ich glaube es gab früher in Hersbruck eine intakte Szene, als z.B. The Robocop Kraus, Soave oder Maggat anfingen Musik zu machen. Doch mittlerweile kann man eher von einem guten Netzwerk zwischen Yucca, The Robocop Kraus, The Plane Is On Fire und uns sprechen. Man trinkt, spielt und feiert gerne miteinander. Soviel und sooft es geht.
Zum Abschluss noch: Welche Hoffnungen verbindest du mit der Veröffentlichung des neuen Albums und was kommt danach? Die große Tour und dann die Pause?
Ich hoffe, dass viele Leute die Möglichkeit bekommen unser neues Album zu hören. Dass sie Lust bekommen mit uns die Live Situation zu genießen und wir Abende erleben, von denen wir unseren Kindern in 20 Jahren am Frühstückstisch noch vorschwärmen mögen. Und an das nach der Tour will ich noch keinen Gedanken verschwenden…aber wahrscheinlich wird es so sein, dass nach der Tour vor der Tour ist.
Vielen Dank für das Interview. Eine Besprechung des Albums folgt in Kürze…
The Audience auf Tour:
25. 11. Pretty Vacant, Düsseldorf
26. 11. Studio 672, Köln
noch viel, viel mehr Termine hier!
ich freu mich so auf das neue album!!!TOLLES INTERVIEW!
was sind denn das für tolle bilder?! grandios.famos.
der song auf myspace ist echt ne wucht und ich freu mich auf die jungs, wenn sie nach berlin kommen.
[...] Tanzbarkeit. Diese Ambivalenz von Stil und Intention wurde auch schon in dem vor einigen Wochen geführten Interview mit Sänger Bernd Pflaum deutlich. Ruhige, bedächtige Nummern wie ‘a.m.’ laden ein, [...]