Gestatten, wir kommen aus Hamburg 3

1. Oktober 2008, von jan

Immer das alte Lied mit Samplers (tatsächlich der Plural, auch im Deutschen), auf denen nur alte Lieder zu finden sind. Dieses ursächliche Problem mit Zusammenstellungen, auf denen größtenteils bereits veröffentlichte oder gar betagte Songs zu finden sind, trifft auch auf “Gestatten, wir kommen aus Hamburg 3″ zu. Schon der Titel verrät die gesamte, zugrunde liegende Programmatik und ein wenig platt kommt er auch daher. Beäugt man die diversen vertretenen Interpreten der Doppel-CD, so findet man die zu erwartende Indie- und Pop-Prominenz der Hansestadt: Tocotronic, Jan Delay, Udo Lindenberg, Tomte, Die Sterne, Kettcar, Oli Schulz, Selig, Kante, Bernd Begemann,  Fotos, Bernadette La Hengst, Clickclickdecker und, und, und…Dass man entsprechend Qualität auf dem Sampler findet, steht somit außer Frage. Ein paar Newcomer wie Herrenmagazin oder 1000 Robota sind auch vertreten und auch eher unbekannte Künstler sind vertreten, was den Eindruck, dass hier mit Altbewährtem Kohle gemacht werden soll, ein wenig abmildert. Dennoch, der Sinn, warum hier hochhausgroße Klassiker wie “Was hat dich bloß so ruiniert”  nochmal verbraten werden, will sich mir nicht erschließen. Noch besser wird es, wenn man das Augenmerk auf musizierende Brechmittel, Pardon, wie Revolverheld richtet. Bitte? Ich kann nur hoffen, dass Kids, die auf solche Bands stehen, bekehrt werden sollen. Ist das jetzt engstirnig und elitär? Kann schon sein, aber für wen ist der Sampler denn jetzt eigentlich gedacht und gemacht?

Die Tatsache, dass nun bereits der dritte Teil vorliegt, sprich für ein vorhandenes Käuferinteresse, aber wer nur halbwegs Musik aus der Hansestadt im Speziellen und/oder deutschsprachigen “Indie-kram” mag, der hat den Großteil der bekannteren Künstler bereits im Plattenregal stehen. Von den besagten Künstlern sind entsprechend auch bekannte Singles und Songs vertreten und zum Teil auch Lieder, die man eh umsonst runterladen kann (Bratze, Clickclickdecker, Der Tante Renate, Home Of The Lame etc.). Wer musikalische Bildungslücken hat, sich gar nicht auskennt oder eh zu viel schnöden Mammon besitzt, kann hier bedenkenlos zu greifen. Als Kenner und Liebhaber fühle ich mich von solchen Veröffentlichungen ehrlich gesagt verschaukelt, aber vielleicht bin ich auch zu verbohrt und zu wenig nachsichtig.

Mit 42 Songs ist der Sampler ja quantitativ stark und die Qualität stimmt ja zu großen Teil auch. Trotzdem: solche Veröffentlichungen verzerren und verwässern das Bild einer so nicht vorhandenen Szene und pflegen ein Image, dass seit dem fehlgeleiteten Kunstbegriff der Hamburger Schule eigentlich begraben gehört. So der Querulant schließt sich wieder in seinem Elfenbeinturm ein.

Schreibe einen Kommentar