Singles! Der (mittlerweile) ungeliebte Stiefsohn der Plattenindustrie und auch bei Mu
sikfreunden polarisieren die kleinen Tonträger ungemein. Ungeachtet davon, gibt es immer wieder gute Gründe eine Single zu erwerben: beispielsweise um den Künstler zu unterstützen, die Ungeduld auf ein kommendes Album partiell zu befriedigen oder aber um der Sammelleidenschaft genüge zu tun. Im Folgenden zwei Veröffentlichungen der letzten Zeit.
No Love Lost war 2006 mit Sicherheit eines der gelungensten Gitarrenpop Alben des Jahres. The Rifles überzeugten trotz sich aufdrängender Plagiatsbezichtigungen. Spielfreude und gutes Songwriting machten Eigenständigkeitsdefizite wett und Songs wie Local Boy, She´s got standards, oder Repeated Offender avancierten vorrübergehend zu potentiellen Lieblingsliedern. Talking, die erste neue Single 2007 brachte dann aber die große Ernüchterung. Der Song war zwar ganz ok, klang aber auch gleichzeitig nach Dirty Pretty Things Resterampe: Fett produziert, nach vorne gehend, aber auch uninspiriert und substanzlos. Kein Wunder, dass die Band den Song auch großherzig verschenkte.
Nun erschien mit I could never lie ein neues Lebenszeichen der Londoner und siehe da: doch nichts verlernt!
Die gleichnamige A-Seite ist ein großartiger, locker-fluffiger Hit und könnte das neue “Local Boy” werden. Die Grundzutaten wurden neu arrangiert und mit dem richtigen Melodiegespür gekonnt angereichert. Wieder ein Grund um das Ende des Sommers zu trauern. Auf der B-Seite eine richtig gute, atmosphärische Live-Version von Narrow Minded Social Club. Wenn Konzertmitschnitte immer so mitreißend wären, hätten sie wohl einen besseren Ruf. Die 7″ kommt obendrein als super schickes double gatefold daher. Tolle Aufmachung mit gutem Inhalt.
CD Maxi´s sind schlicht und ergreifend ein liebloses Produkt. In den meisten Fällen jedenfalls. Da eh so wenig von ihnen verkauft werden, geben sich die meisten Plattenfirmen bei Gestaltung und Inhalt eher selten Mühe. Ein Jammer, dass diese Beschreibung inzwischen, zumindest in Teilen, auch auf Veröffentlichungen des heiß geliebten Grand Hotel van Cleef zutrifft. Die neue Tomte Single Der letzte grosse Wal ist zwar immerhin in ein ganz kleidsames Digipack gehüllt, doch etwas mehr als die eine B-Seite hätte es schon sein dürfen. Zumindest der Preis von knapp 4 Euro entschädigt und versöhnt wieder. Musikalisch lohnt der Kauf sich allemal.
Die Vorabsingle zum letzten Album von Uhlmann und Co traf meinen Geschmack leider nicht (ganz). Die aktuelle Auskopplung weiß dagegen sogar sehr zu gefallen. Keine bahnbrechenden Neuerungen im Tomte-Kosmos, aber irgendwie runder, austarierter und verdammt songorientiert ist es geworden. Der letzte grosse Wal hat sicher das Zeug, um auf Konzerten der Band zu einem echten Publikumsliebling zu werden. Das nur auf der Single erhältliche Füll deine Lungen mit Feuer ist bei den ersten Durchgängen nicht ganz so eingänglich wie der Titeltrack, doch ein echter Grower verbirgt sich da hinter der rauhen Schale. Insgesamt ein guter Vorgeschmack auf den kommenden Longplayer. 10. Oktober: Heureka!