Die Idee, bekannte Künstler oder Bands Sampler mit ihren vermeintlichen Lieblingsliedern oder Inspirationsquellen zusammenstellen zu lassen, ist weder neu noch originell. Abgesehen von meiner zwischen Missfallen und Gleichgültigkeit pendelnden Meinung, erfreuen sich beschriebene Compilations einer ungebrochenen Beliebtheit. Daher ist es keineswegs überraschend, dass eine neue Sampler Reihe sich diesem Konzept verschrieben hat. Zum Auftakt der sogenannten ‘Pop Portrait’ Reihe stellte ein gewisser Jan Delay ein Potpourri nach seinem Geschmack zusammen und Anfang Oktober erscheint nun der zweite Teil unter prominenter Federführung. Diesmal geben sich Tocotronic die Ehre und nutzen die Gelegenheit um sich reichlich auszutoben.
Die von ihnen kompilierten Songs dürften bei vielen Freunden der Band erstmal für ein Achselzucken mit fettem Ausrufezeichen sorgen. Bekannte Künstler wie Stephen Malkmus, The Fall, Wilco oder Sonic Youth überraschen zwar keineswegs, aber das Hinzunehmen von Justus Köhnke oder Animal Collective könnten den geneigten Tocotronic Fan doch eher verstören als verzücken. Faust, Mutter oder Klaus Beyer sind darüber hinaus die großen Unbekannten des Samplers und auch seine Juwelen? Man wird sehen…als zusätzlicher Kaufanreiz erhält das ‘Pop Portrait’ noch einen von Tocotronic selbst stammenden Song, nämlich das 1996 nur auf der Split Single mit Christoph de Babalon erschienene “Muzik”. Ob man das alles braucht? Ich weiß es nicht…
Ahoi,
Mutter nicht zu kennen ist aber eine echte musikalische Bildungslücke. Als man am Dellplatz das Geld noch für Kultur und nicht für Comedy ausgegeben hat, gab´s die dort auch live. Und Mutter´s Sänger Max Müller hat vor kurzem ein neues Soloalbum bei Angelika Köhlermann veröffentlicht. Großartiger Metapop, der hier eigentlich mal vorgestellt gehört.
Faust hingegen dürften eine der überbewertesten Bands in diesem Land sein. Dann doch lieber Klaus Bayer mit seinen Beatles Interpretationen.
Glück auf! Sascha
Mutter als Anspieltipp! Mal sehen. Klaus Beyer ist übrigens nicht mit einem seiner Beatles Cover vertreten, sondern mit einem aus seiner Feder stammenden Song. Insgesamt muss man konstatieren: eine krude Zusammenstellung. Wenn man den Herren von Lowtzow, Zank, Müller und McPhail freie Hand läßt…