Portugal. The Man: Censored Colors

10.09.08

Mit einem großen Knall tauchte die Band mit dem merkwürdigen Namen 2006 auf der Bildfläche auf und ihr Erstlingswerk wurde in den einschlägigen Gazetten reichlich abgefeiert. In der Tat bot ihr Debüt ‘Waiter: „You Vultures!“ ‘ eine atemberaubende Achterbahnfahrt aus Indierock, Postcore, Soul und weiteren Anleihen. Gelungene Klang-Collagen, die ganz locker aus der Hüfte und auf ganzer Linie überzeugen konnten. Exotik pur aus Alaska und eingängig oberndrein. Bereits ein Jahr später folgte, nach einer EP um die Wartezeit zu überbrücken (sic!), mit ‘Church Mouth’ der zweite Streich und was für einer! Portugal. The Man waren schon noch als die selbe Band zu erkennen, jedoch klang das neue Album eher nach New Orleans als nach Alaska. Dreckig-erdiger Blues/Gospel/Rock dominierte das rundum erneuerte zweite Album. Umso konsequenter und folgerichtig ist es doch, dass mit ‘Censored Colors” wiederum nur ein Jahr später ein weiterer Tonträger veröffentlicht wird, der erneut für überrascht-verzückte Gesichter sorgen dürfte.

Der erste Song “Lay me back down” klingt sofort nach einer Fortführung des ‘Church Mouth’-Sounds – und zwar für exakt 51 Sekunden. Danach hat man es plötzlich mit einem Keyboard getragenen und mit reichlich Sing-alongs ausgestatten Pop-Song zu tun. Zwar ist dieser in den Strophen wieder ein wenig psychedelisch angehaucht, doch diese zuckersüße Eingängigkeit ist neu. Das nachfolgende ‘Colors’ schlägt in die selbe Kerbe und das ebenso beeindruckend wie überraschend. Brillant ausgeklügelte, mehrstimmige Gesangspassagen treffen auf Geigen und einer schlichtweg genialen Melodie und angemessener Instrumentierung. Das hat nichts mehr mit “Indierock” zu tun. In einer perfekten Welt würden solche Lieder mit Heavy Rotation auf allen Sendeanstalten laufen. Wunderbar! Auch der nachfolgende Song besitzt weitgehend keine Ecken und Kanten, sondern speist sich aus den besten Elementen der populären Musik der 60er und 70er Jahre. Beinahe “beatles-lesk”, was die Band um Sänger John Gourley da im Studio aufgenommen hat. Es bleibt melodisch und schmeichelnd, um nicht zu sagen, dass sich Hymne an Hymne reiht. Kaum zu glauben, dass fast alle Songs erst bei den Aufnahmen selbst entstanden sein sollen. So oder so: Chapeau!

Die Songs sind also viel relaxter und klingen als wenn sich die Gemüter der Bandmitglieder abgekühlt und sich die inneren Dämonen verflüchtigt hätten. “Created” inszeniert völlig entspannt die tolle Heliumstimme Gourley´s und diese Atmosphäre überträgt sich unweigerlich auf den Hörer. Die Besinnung, für ihre Verhältnisse einfache Popsongs zu schreiben, gestaltet sich demnach als Glücksfall, doch Portugal. The Man wären eben nicht Portugal. The Man, wenn die Band nicht noch mit weiteren Überraschungen aufwarten würde.

Nach der “Intermission” folgt mit “New Orleans” der Wechselbalg des Albums. Jazz-Trompeten künden von einer neuen Entwicklung innerhalb des Albums oder vielmehr von einem (zurück-)gespannten Bogen zu ‘Church Mouth’. Die psychedelische Note hält trotz weiterhin entspannter Grundstimmung Einzug in die Musik. Die Gesangslinien erinnern fortan wieder an besagtes Vorgängeralbum und das faszinierende ist, dass immer noch alles wie aus einem Guss klingt. “Never Pleased” mit seiner treibenden Orgel, seinem groovenden Rhythmus und Gospel-artigen Vocals ist wieder so ein genialer Bluesrocker. Wie schafft es diese Band nur immer wieder so extrem authentisch zu klingen? Herzblut und Schweiß ersetzen die akustische Zuckerwatte der ersten Albumhälfte ohne die enorme Eingängigkeit zu verlieren und die abschließenden Lieder schielen wieder mehr in Richtung Pop. “1989″ ist erneut so ein zeitlos wirkender “Radiohit”, der genau ins Herz trifft.

Die Frage bleibt offen, ob ‘Censored Colours’ nun als nicht vollendete Metamorphose, als Übergangsalbum zu sehen ist oder ob Portugal. The Man ihren ultimativen Sound bereits gefunden haben. Noch spannender als diese vorwärts gewandte Frage ist ‘Censored Colors’ gegenwärtig, so dass es mich nicht wundern würde, wenn es am Ende des Jahres erneut in den Bestenlisten der eingangs erwähnten Musikmagazine landen würde. Vielmehr erwarte und hoffe ich dies, denn an diesem Monument von einem Album kommt man 2008 meiner Meinung nach nicht herum. Beinahe erschreckend, mit welcher Kreativität diese Band produktiv sein kann. Kauft zensierte Farben!!!

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One Response to Portugal. The Man: Censored Colors

  1. Jan on 10.09.08 at 14:32

    Auf der Myspace Seite der Band sind alle Songs des Albums im Stream. Nicht in der angedachten Reihenfolge, aber in voller Länge…

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