Endlich liegt der neueste Irvine Welsh Roman in der deutschen Erstausgabe vor. Selbstredend ist der kauzige Autor aus Edinburgh maßgeblich selbst an den immensen Erwartungen an eine neue Publikation schuld. Nicht nur Trainspotting, sondern auch seine anderen Romane wie Klebstoff, Porno oder Drecksau sind ebefalls längst zu Kultschmökern avanciert. Eine große Bürde und gleichzeitig der Maßstab, an dem sich der neueste Streich mit dem etwas sperrigen Namen messen lassen muss.
Alle Freunde das Autors mit der drastischen Sprache können sich jedoch die Perle aus Angstschweiß von der in skeptische Falten gelegten Stirn wischen. Die Bettgeschichten der Meisterköche beinhaltet alle Ingredienzien für ein geschmachvolles Lesevergnügen nach schottischer Schule. Ein getriebener, zerrissener Protagonist, Drogen, das merkwürdig süß-saure Bouqet des Lebens, der Wunsch nach Rache, die Suche nach der Herkunft und damit nach dem selbst und der typisch schwarze Humor britischer Prägung.
Die Geschichte von Danny Skinner, einem Restaurantinspekteur und vollzeit Lebemann, weiß stets zu fesseln. Alkohol Abusus, Drogenkonsum und vergleichbare Vergnügen weiß Danny immer zu schätzen, ganz im Gegensatz zu seinem eigentlichen Job. Zu dumm, dass ihm sein neuer, penibler Arbeitskollege das süße Leben schwermacht. Dieses Problem zu handhaben ist eine Sache, die andere seinen Vater zu finden, über den er quasi nichts weiß. Genau diese Jagd nach dem Erzeuger nimmt den Protagonisten völlig ein, denn sein offen gelebter Nihilismus muss ja irgendwo seine Wurzeln haben. Die Motivation seinen Vater zu finden, befördert Danny auf einen wahnwitzigen Trip, der wohl nur der Feder eines Irvine Welsh entspringen kann.Ohne zuviel verraten zu wollen, Welsh weiß man wie den Leser bei der Stange halten kann. Keine Frage.
Die Bettgeschichten der Meisterköche stellt auch stilistisch dar, was man sich erhoffen konnte. Welsh fährt die ganze (bekannte) Bandbreite an Beleidigungen und Kraftausdrücken auf und überzeugt gleichsam mit sarkastischem Wortwitz. Der Plot schießt allerdings zum Teil über das Ziel hinaus und wirkt somit stellenweise ein wenig zu abgedreht und abstrus. Die sonst so charakteristische Authenzität seiner Stories und die Einbettung dieser in ein realistisches Millieu spielt nur eine Randrolle. Die schillernd-skurrile Handlung weiß dennoch zu unterhalten, auch wenn der Level von beispielsweise Trainspotting selten erreicht wird. Ein nur guter Welsh Roman ist in jedem Fall immer eine Empfehlung wert. Rache ist Räuchertofu…

[...] so schreibt Jan auf alles-ist-pop.de. [...]