Phantom Planet: Erfolgreich freigespielt!

16.06.08

Gibt es sie noch oder sind sie dem Zahn der Zeit, Besetzungswechseln, Richtungskonfusionen und Labellosigkeit erlegen? Wird das noch was mit einem würdigen Nachfolger für das inzwischen fast 6 Jahre alte ‘Album zum Liebhaben’ The Guest? Es geht natürlich um Phantom Planet und die Fragen, die sich um diese Band rankten, ließen eigentlich nur wenig Positives erahnen. Zu schwer wog das unsägliche, O.C. California-Kiddies geschuldete Erbe der bekannten ‘Übersingle‘ und zu durchwachsen geriet das letzte Lebenszeichen des kalifornischen Quartetts.

Da müssen doch die Toten wieder auferstehen, damit die noch einmal relevant werden, konnte man sich denken. Herzlichen Glückwunsch, Bogen elegant gespannt, denn damit wären wir beim neuen Longplayer. Und die Mannen um Sänger Alex Greenwald erweisen sich bereits mit dem Titel als Gentleman, denn anstatt auf die Rückkehr verlorener Seelen zu warten, zurren Phantom Planet die Verstorbenen auf Raise The Dead gleich selbst aus ihren Ruhestätten.

Das dieses Vorhaben tatsächlich gelinden könnte, deutet bereits der schräge, als Opener dienende Titeltrack an. Das erste Aha-Erlebnis und ein breitmaulfroschiges Grinsen folgen spätestens bei Spielminute acht: Leader startet mit einem braven “uhuhuhu-Kinderchor” und erlebt dann eine Strophe, der trotz aller Harmonie und Eingängigkeit ein Hauch von emotionalem Irrsinn innewohnt – ein Zustand der Greenwald ohnehin sehr nahe zu liegen scheint (wer die Band schon live gesehen hat, weiß, wovon ich rede).


Spätestens mit Do The Panic ist das alte Phantom-Planet-Gefühl zurück: Euphorie, Bewegungsdrang, ein unbändiger Sing-Along-Wille – und natürlich wieder diese Prise Wahnsinn. Diesmal lautete der Background-Corus auf “Bababa-Shadubidu” und begleitet auf nicht ganz neue, aber deshalb nicht weniger geniale Weise den singenden, redenden, schreienden und grenzdebil Lachenden Frontmann. Selten habe ich Kontrollverlust und Panik mehr herbei gesehnt als in diesen dreieinhalb Minuten.

Die Quintessenz nach 12 Tracks und 6 Jahren (das selbstbenannt 2004er Album nicht mitgerechnet) des Wartens: Phantom Planet haben sich freigespielt, sind zurück… nicht ganz so poppig-hymnisch und unbeschwert wie auf The Guest. Dafür getriebener, facettenreicher und geerdeter als je zuvor. Erst wenn man Raise The Dead ein paar Mal genossen hat, weiß man, was gefehlt hätte, wenn die Jungs nicht zurückgekehrt wären – und jetzt: Deutschland-Tour bitte!

One Response to Phantom Planet: Erfolgreich freigespielt!

  1. Gav on 16.06.08 at 15:01

    Haha, ich befürchtete schon den “The Reason”-Hoobastankeffekt – aber ich glaube, die waren auch nie gut.
    Phantom Planet kenn ich tatsachlich auch nur von Californiadings… naja. Und die Serie fand ich auch immer grottig.
    Aber ich schau mal – dein Review macht jedenfalls heiß auf ein Probehören!

    LG,
    Gavin^^

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