“Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann!” Der berühmte Satz aus Coppolas “Der Pate” ist auch auf ein Phänomen übertragbar, dass seit einigen Jahren vielen Leuten gehörig die Laune verdirbt. Egal ob regelmäßiger Konzertgänger oder nur sporadischer Gast – früher oder später stolpert man über die Wurzel des beschriebenen Übels und Anstoß dieses Artikels: (Semi-)professionelle Karten-Händler bei Ebay.
Ein blühendes, aber so gar nicht blumiges Geschäft, dass sogar ekeleregend zum Himmel stinkt. Natürlich geht es nicht um einzelne Personen, die ein gekauftes Ticket nicht nutzen können und dieses wieder veräußern, sondern um Powerseller, die gezielt ganze Kartenkontingente aufkaufen und gewinnbringend wieder verschachern. Natürlich existierte schon lange, auch bevor es Ebay überhaupt gab, ein reger Schwarzhandel mit Eintrittskarten, doch seit dem das beliebte Online Auktionshaus seine Pforten geöffnet hat, boomt das Geschäft enorm. Ende nicht in Sicht…
Betroffen sind nicht nur größere Events und Konzerte von Popsternchen und tatsächlichen Weltstars. Das man mit einigen Madonna Karten erheblich Gewinne bei einem Weiterverkauf erzielen kann, ist alles andere als ein Insidertipp. Leider erlebt auch der “alternative” Musiksektor verstärkt eine solche Entwicklung, so dass bei fast jedem Konzert einer halbwegs beliebten Band entsprechende Tickets bei Ebay auftauchen. Je größer die Popularität des Künstlers, umso mehr Karten werden auf den Markt geschwemmt und die zu erwartende Gewinnspanne wächst natürlich proportional mit. In meinen Augen ist diese Entwicklung zutiefst amoralisch und das aus unterschiedlichen Gründen und verschiedenen Parteien gegenüber.
Beginnend beim Konsumenten kann man natürlich argumentieren, dass der Käufer bei dem Erwerb viel zu teurer Konzertkarten ja selbst schuld ist und das in doppelter Hinsicht. Zum einen hätte er sich rechtzeitig um die Eintrittskarten kümmern können und zum anderen zwingt ihn ja niemand dazu, horrende Preise zu bezahlen. Für mich sind beide Argumente in erster Linie fadenscheinig. Sobald man Wucher mit Kulturgut
betreibt, sei dieses auch noch so banal, kann man ein solches Verhalten weder mit klugem Geschäftssinn noch mit der Mündigkeit des Käufers entschuldigen. Bei Konzerten geht es darum, dass der Künstler dem interessierten Publikum sein Schaffen präsentiert und dieses unterhält oder was auch immer. Die Mittlerposition nimmt bereits der Veranstalter ein, der nunmal neben anfallenden Kosten auch eigenen Profit erzielen will, was oft dazu führt, dass Konzertkarten ohnehin schon eine recht kostspielige Angelegenheit sind. Wenn nun ach so pfiffige Ebay-Händler Karten mit oft 100 prozentiger Gewinnspanne abstoßen, werden also Besucher, Veranstalter und letztendlich der Künstler ansich geprellt.
Konzerte sind oft Herzensangelegenheit und nur so ist es zu erklären, warum so viele Leute ihr Geld solchen Ticket-Haien in den Schlund werfen. Man will auf keinen Fall ein solches Ereignis verpassen und man will, ja man muss gegebenfalls dem Gig beiwohnen. Wenn man bedenkt, dass Musik auf einem Medium gebannt schon extrem emotional sein kann und jene Emotionen vis-a-vis mit dem Urheber im Idealfall noch einmal potenziert werden, so kann man dieses Bedürfnis, ein Konzert um jeden Preis sehen zu wollen, nachvollziehen. Musik berührt die Seele (manchmal bis häufig, oft) und Konzerte wirken manchmal surreal wie ein Traum. Die Konsequenz daraus ist folgerichtig, dass Karten-Maffiosi in der Tat Seelenfänger sind und mit Träumen handeln. Diese Einschätzung mag extrem anmuten, meine Aversion gegen dieses dreckige Geschäft ist es aber auch.
Ich bring es gern so auf den Punkt: Ticketdealer sind in meiner Moral-Hierarchie knapp unter Anwälten und stehen mit Fahrraddieben und Spammern auf einer Ebene. Bah!