
Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um auf ein Konzert von “…And You Will Know Us by the Trail of Dead” zu gehen ohne sich einen Gehörschutz mitzunehmen?
Ein kombinierter Konzert- und Gesundheitsbericht in zwei Teilen.
Teil I: Konzertbericht

Die sechs US-Amerikaner geben sich schließlich alle Mühe und Nutzen teilweise zwei Drumsets, selbstverständlich immer gepaart mit röhrenden Gitarren und wummerndem Bass, um einen einen sprichwörtlich ohrenbetäubenden Lärm zu veranstalten. Neben den ständigen Wechsel an Keyboard, Schlagzeug und Gesang werden dazu oft auch noch die 10 Instrumente im Gitarren-Ständer in den letzten Takten eines Songs gewechselt um vom Applaus getragen nahtlos in die nächste Song-Explosion überzugehen.
Leider war der Sound am Sonntag, 25.5. im Zakk meiner Meinung nach nicht so optimal. Nicht nur, dass man bei den ersten Liedern den Sänger kaum hören konnte, sondern auch später noch klang es etwas breiig. Auf die Stimmung wirkte sich das aber keinesfalls negativ aus: Diese kochte geradezu, so dass einem selbst beim einfachen Stehen der Schweiß von der Stirn lief. Ich persönlich hätte mir lediglich weniger ältere Titel und dafür mehr vom die Tour betitelnden Album “So Divided” gewünscht. So war es zwar ein gutes Konzert, blieb aber im Edneffekt etwas hinter meinen Erwartungen zurück.
Für ein positiveres Resümee sowie ein paar Sätze zu den beiden Vorbands siehe Markos Konzertbericht.
Im September wollen …Trail of Dead übrigens über mehrere Independent Labels (in Deutschland: Superball-Music) ein neues Album rausbringen!
Teil II: Gesundheitsbericht
Das “normale” Fiepen im Ohr nach einem Konzert kennt sicherlich jeder. Dumm nur, wenn es nicht weg geht.
Die alte “kommt von allein – geht von allein”-Strategie kann man sicher auch fahren, nur irgendwie ist das Risiko dabei etwas zu hoch, denn so ein Tinnitus für den Rest des Lebens muss ja nicht sein. Ähnlich unschön wäre es, wenn dieses blöde Taube Gefühl blieb und man auch in Zukunft nur noch die Hälfte hören könnte.
Nach obigen Konzert stand ich genau vor eben jenem Problem: Das Piepen ging nicht weg. Da ich mein Glück nicht herausfordern wollte, ging ich also 1,5 Tage später zum Arzt. Dieser hielt das auch für eine gute Idee, denn je schneller eine Behandlung begonnen wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Er hat dann auch promt ein “akustisches Trauma” diagnostiziert und mir ein blutverdünnendes Mittel verschrieben, damit das Ohr bestmöglich mit Sauerstoff versorgt wird und sich wieder erholen kann. Die krassere Alternative wäre eine mehr-tägige Behandlung per Infusion. Doch das wird hoffentlich nicht nötig sein, jetzt geht’s schon viel besser..
Doch Konzertkarte + Arztbesuch + Restrisiko ist irgendwie auf die Dauer keine gute Idee. Schließlich muss man ja auch echt bescheuert sein, um gerade auf ein …Trail of Dead Konzert keinen Gehörschutz mitzunehmen. Hrmpf. Wie würde denn ein intelligenter Musikliebhaber an die Sache rangehen?
Das sich zum Begriffsmonobol etablierte Ohropax kennt fast jeder und es gibt sie in jeder Apotheke. Diese und ähliche Produkte sind allerdings als “Lärmschutz” lediglich darauf ausgelegt den Schall zu dämpfen. Das funktioniert zwar, aber im Endeffekt bleibt dann ein so dumpfer Sound übrig, dass man sich das Konzert auch schenken kann.
Optimal wäre ein klanglich linearer Gehörschutz, der alle Frequenzen gleichmässig absenkt und den Schall dadurch wirklich nur leiser macht. Sowas gibt es ab 20 EUR beim Hörgeräteakustiker oder im Musikerfachhandel. Richtig teuer geht es natürlich auch und bei individueller Anfertigung kann man auch schonmal knapp 200 EUR dafür investieren.
Klar, Beethoven hat auch taub komponiert und der coole Rocher hört Musik immer laut, aber irgendwie ist ein permanenter Hörschaden doch wesentlich uncooler als die Benutzung von Ohrstöpseln…
So: Was meint ihr? Wart ihr auf dem Konzert? Wie fandet ihr es?
Und vor allem: Wie vereinbart ihr Live-Erlebnis und Gehörschutz?
Danke für den Pingback, Benedikt.
Und: Deine Hörprobleme kenne ich nur all zu gut. Gerade erst am Freitag habe ich mir deinen oben genannten Gehörschutz anfertigen lassen. 169€ ärmer bin ich nun. Aber das ist und war es mir wert.
Schon schlimm, wenn man aufgrund der (lauten?) Konzerte auf einem Ohr nicht mehr 100% hören kann.
Blöde Musik
Da ich aus nachvollziehbaren, finanziellen Gründen nicht den Gang zum Hörakustiker antreten kann (
), bin ich bei der Gut&Günstigvariante der Ohropax angekommen. Die gibt’s in jeder Apotheke, sind absolut Noname (Firma ist E-A-R) und dämpfen eben auch etwas dumpf, aber, und das ist wichtige Erfahrung, man kann sich tatsächlich nach 5-10 Minuten gut daran gewöhnen. Und nach 10-15 Minuten bemerkt man gar nicht, dass das mal dumpfer oder doof war.
Nur muss mal erstmal soweitkommen
LG,
Gavin
Vor etwa 4 Wochen hatte ich dasselbe Problem; ich hatte jedoch Glück dass die Medikamente mich vor einer Infusionstherapie bewahrt haben. Daraufhin habe ich mir auf Anraten eines Freundes diese Ohrstöpsel für knapp 25 EUR in einem Musikerladen in Duisburg gekauft, da ich keinen Bock hatte auf diesen dumpfen Klang und der Unbequemlichkeit, die Ohrstöpsel aus Wachs/Watte oder aus Schaumstoff mit sich bringen.
Neulich war ich auf nem Neubautenkonzert, von dem ich behaupten, dass es die Stöpsel auf eine harte Probe gestellt hat, denn die dargebotene Musik war sowohl sehr laut als auch flüsterleise.
Live-Erlebnis und Gehörschutz ließen sich sehr gut miteinander vereinbaren, denn diese Stöpsel fühlen sich nur am Anfang etwas komisch im Ohr an; sie passen sich sehr schnell so an, so dass man quasi vergisst, dass sie da sind. Außerdem gibts bei denen drei Schallfilter (minimal, medium, maximum), so dass es auch noch eine Dosiermöglichkeit gibt.
Also ich bin zufrieden und nehme sie jetzt immer mit auf Konzerte. Dir wünsche ich dann, dass Du auch Glück hast und das Fiepen wieder weggeht
Gruß
Gesus
Das grosse Problem an modernen Beschallungsanlagen ist auch, dass die Dinger mittlerweile relative mühelos einen hohen Schalldruck erzeugen können. Mitunter nimmt man die Lautstärke also gar nicht so krass war, die sie relativ sauber aufspielt.
Ich kann da auch nur empfehlen sich für 20 €uro ein “Tannenbäumchen” zu kaufen, die sind schon viel besser als Oropax. Gegossene Elacins sind da natürlich die Krönung, teuer, aber wirklich jeden Cent wert. Ich habe mein Täschchen mit den Elacins immer am Schlüsselbund, z.T. habe ich die dann auch in einer lauteren Kneipe drin. Ist einfach viel angenehmer, auch bei normaler Unterhaltung. Man hört viel differenzierter als ohne, ich finds echt entspannt.
“Trail of Dead” auf Platte sind filigraner Rock.
“Trail of Dead” live sind ein filigranes Gemetzel!
Bisher hatte ich mit der Lautstärke bei Konzerten nie Probleme gehabt. Die Grenze des Ertragbaren wurde zwar öfters erreicht, aber nie überschritten, bis zu diesem Konzi. Ein Hörschutz wäre an diesem Abend wirklich nicht schlecht gewesen!
Ich frage mich nur wieso die Band es nötig hat bei der Lautstärke dermaßen zu übertreiben? Als wäre es irgendwie nötig um abzurocken oder als müssten die sich irgendwie beweisen…
Manche Leute können ja selbst dann sehr gut abgehen wenn ihnen das Blut aus Ohren und Nase tropft. Aber mit dieser “Scheiß auf meine Gesundheit, das ist Rock’n'Roll!” – Attitüde habe ich so meine Probleme.
Traurig fand ich zudem, dass mir dieser dröhnende, laute Sound die Laune ziemlich verdorben hatte. Stehe nunmal nicht unbedingt auf akustischen Masochismus. Da ist ja sogar so manche Death-Metal Band live ohrenfreundlicher, auch wenn man da nicht unbedingt auf die Mucke stehen muss…
Wenn “Trail of Dead” beweisen wollen, dass progressiver Rock lauter als Knüppelgekreische sein kann, dann ist ihnen das gelungen. Aua!
Ich habe auch schon häufiger mal über Ohrstöpsel nachgedacht, zumal ich als regelmäßiger Mogwai-Konzertbesucher auch echte Lärmquellen kenne.
Mein ersten Mogwai-Konzert zur Rock Action Tour endete mit einer fünf minütigen Rückkopplung, in einer Lautstärke, dass sich die 50% der Zuhörer die Ohren zu hielten.
Bisher habe ich mir noch keine Ohrstöpsel angeschafft, aber der Artikel bringt das Problem wieder auf den Tisch.
Also ich fand das Konzert unter aller sau.
Der grottenschlechte Sound hat nix mehr von der Musik übergelassen. Das Klavier-Board klang wie nen Piepse-Synthie und der Gesang war fürn Arsch. Für Gitarre und Bass verweis ich nach oben…
Und ich weiß dass es besser geht. Ich hab die letztes Jahr in Köln gesehen und da waren die traumhaft. Leider hat sich das im Zakk angehört als hätten die einfach sämtliche Beschallung der Live Music Hall 1zu1 übernommen.
Ausserdem haben die sich mehrmals verspielt, einsätze verpasst und unbeabsichtige Rythmuswechsel mitten im refrain/Strophe gehabt. UNCOOL. Aber das eine von den zwei neuen Liedern haben die gut hinbekommen.
Irgendwie seltsam dass die Vorbands kein Problem mit Sound hatten. Hat da der Soundmensch geschlafen als trail of dead 3 Stufen lauter spielten?
Abschliessend: Mein Piepen ist weg, trotzdem doofes Konzert.
Vielleicht passend dazu dieser Artikel:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/555/153165/
Vielleicht hat der Mischer ja nach der alten FOH-Maxime “immer vom Körper weg mischen” gearbeitet.
Gruß, Jörg
@marko: Zum Loudness War hatten wir hier schon vor einiger Zeit den Artikel Wumms vs Dynamik inspiriert u.a. durch genau jenen Link
Das Konzert an sich fand ich sehr gut, auch das mehr Songs von alten Alben gespielt wurden. Nur fand auch ich, dass der Sound im Zakk sehr schlecht war. Das hat dem ganzen Konzert doch ein wenig an Freude genommen…
…Gehörschutz trage ich bisher nie auf Konzerten, doch das Piepsen im Ohr war dieses Mal sehr stark, mehr als sonst…daher überlege ich ernsthaft, mir diese 20-25 € Variante zuzulegen…denn das ein oder andere Konzert werde ich sicher noch besuchen, hören möchte ich aber auch gerne in Zukunft.
Auch wenn es drastisch klingt, aber Aussagen wie “das Piepsen im Ohr war [b]dieses[/b] Mal sehr stark, mehr als sonst” sollte einen wirklich wach rütteln! Ihr ruiniert euch wirklich eure Ohren, auch wenn das Piepen weg geht, die Haarzellen im Ohr regenerieren nicht! Das hat auch nichts mit Rock’n'Roll zu tun, es ist schlicht ungesund. Die Hörfähigkeit nimmt mit dem Alter sowieso ab, vor allem das Sprachverständnis ist irgendwann so degeneriert, dass sich nur noch bedingt unterhalten kann. Ich würde das echt nicht auf die leichte Schulter nehmen. So, genug gepredigt.
[...] Geräuschsturm, der beim Publikum live für etwaige Folgeschäden geführt hat, dürfte mit der anstehenden Veröffentlichung der Band mit dem langen Namen wohl [...]
[...] von Markus | Erfahrungsbericht | [...]