Arts & Crafts: Home of…Broken Social Scene, Stars, Feist etc.

10.05.08

Kanada ist zwar das zweitgrößte Land der Welt, besitzt aber auch eine verschwindend geringe Bevölkerungsdichte. Dennoch stammen ungeheuer viele begnadete Musiker aus jenem Land der Widersprüche und die Suche nach den Gründen gestaltet sich nicht nur als obligatorisch, sondern ebenso als kompliziert. Ist es, zugegeben pauschal gesprochen, die zerrissene Seele des Kanadiers, resultierend aus der bewegten Geschichte der ehemaligen, britischen Kolonie? Ist es die außergewöhnliche Landschaft, die im Wechselbad der Jahreszeiten mal rauh und schroff drein schaut und mal ein liebliches, betörendes Antlitz zeigt? Was es auch immer ist, das Label Arts & Crafts steht sinnbildlich für die außergewöhnliche Musikszene Kanadas.

Arts & Crafts wurde 2002 von Mitgliedern des kanadischen “Indie”-Aushängeschilds und Bandkollektivs Broken Social Scene gegründet. Jenes Flaggschiff BSS fungiert auch als Bindeglied einer ganzen Szene und umso verständlicher ist es, dass Arts & Crafts als Label Platten von etlichen, untereinander vernetzten Bands und Künstlern rausbringt. Dieser Zusammenhalt ist definitiv als beispielhaft, wenn nicht gar als einzigartig zu bezeichnen. Dementsprechend sind in den letzten sechs Jahren Alben von Broken Social Scene, Feist, Stars, Amy Millan, Jason Collet und Apostle of Hustle veröffentlicht worden und damit einige essentielle Meisterwerke. Irgendwelche Zusatzstoffe müssen sich also zwangsläufig im Grundwasser Torontos befinden, denn anders ist dies nicht zu erklären. Aber nun schweife ich schon wieder in Richtung der unauflösbaren Frage nach den Gründen jener zentrierten Kreativität ab.

Arts & Crafts beschert einem sich glücklich schätzenden Publikum aber nicht nur auditive Glanzstunden aus den eigenen Reihen, sondern kann auch andere europäische Highlights zu seinem Artist Roster zählen. Hierbei seien die aufstrebenden Chaospopper Los Campesinos! aus Wales und die französische Ohrwurm Institution Phoenix zu nennen. Seit Anfang des Jahres 2006 kooperiert das kanadische Label mit dem aus Berlin stammenden City Slang Records. Jene Partnerschaft sorgt auch dafür, dass man in Europa und in Deutschland im Speziellen Arts & Crafts Releases zu erschwinglichen Preisen und in feinen Aufmachungen erstehen kann. Diese sympathische Fußnote rundet ein durchweg positives Gesamtbild der beschriebenen, kanadischen Plattenfirma ab. Umso konsequenter ist es auch, nicht länger über das Geheimnis der musikalischen Herkunft jener Alben zu rätseln, denn dies wird bei alldem puren Hörgenuss definitiv obsolet.

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