Wie ich Sylt zu schätzen lernte…

06.05.08

Redaktionsintern wurde sich schon gewundert, warum ich denn nichts zum neuen Kettcar Album schreibe. Tja… öhmm also. Hier mein Erfahrungsbericht ;)

Anfänglicher Skepsis zum Trotz habe ich nach 1,5 Wochen Dauerrotation diese Platte sehr zu schätzen gelernt. Vorher musste ich mich allerdings von den befindlichkeitsfixierten Songs der alten Alben verabschieden und mich auf die recht lose Zusammenstellung einzelner, politischer Titel einstellen.

Deren Bedeutung erschließt sich nicht immer beim ersten Hören und ich frag mich auch jetzt noch bei manchen Songs was ich genau davon zu halten habe. Herrgott, ich hab mir allein deswegen die neue (getackerte) Visions gekauft – und wurde vom jämmerlich kurzen Leitartikel nebst Liner Notes in Interviewform etwas erhellt, aber hauptsächlich enttäuscht. Dennoch: Ich muss mich den positiven Stimmen über das Album anschliessen.

Sylt ist ein unzufriedener, anklagender Aufschrei den kaum eine andere Band so glaubhaft formulieren könnte. Auch musikalisch schlug die Scheibe nach einer Eingewöhungsphase bei mir ein: Mein Frühjahrs Sommer-Hit trägt nun den Namen “Kein Außen Mehr”.

Und selbst meine Befürchtungen über anstrengende Konzerte erwiesen sich als flasch: In Essen, wo die Hallen eher breit als lang gebaut werden, lieferten die 5 Herren am 2.5. einen gelungenen, mitreißenden Auftritt ab. Die mehrmaligen Textaussetzer von Marcus machten zwar etwas stutzig.. aber hey, ich find sowas ja sympathisch.

Die Setlist war einfach Klasse und auch die Stimmung im Publikum empfand ich ebenfalls als angenehm – auch wenn ich teilweise den Eindruck hatte, dass es bis auf einen kleinen Kern vor der Bühne recht zurückhalten war. Naja. YMMV…

Um mal flight13 zu zitieren: “Bis jetzt waren [Kettcar] erfolgreich, jetzt werden sie möglicherweise relevant.”

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7 Responses to Wie ich Sylt zu schätzen lernte…

  1. tim on 06.05.08 at 21:10

    Hmmm, ich wollte eigentlich die neue Kettcar hassen, bei Graceland gelingt mir das auch, aber der Rest des Albums ist wirklich gut. Ich frage mich nur warum ausgerechnet dieses Drecksstück Graceland ausgekoppelt wurde…

  2. Jan on 06.05.08 at 21:55

    Markige Worte, Tim ;-) Ich für meinen Teil mag Graceland, auch wenn der Rest des Albums in der Tat noch wesentlich stärker ist. Gerade die Abkehr von gefühlsduseliger Ich-Du-Poesie hin zu Texten, die eine ziemlich gelunge Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Befindlichkeiten darstellt, ist mehr als nur zu begrüßen.

    Gleichsam begeistern mich die zum Teil außergewöhnlichen Arrangements und so zerstückelt finde ich das Album gar nicht. Stärkere Einzelstücke sind in jedem Fall einem erzwungenen Album-Flow vorzuziehen. Vielmehr spiegelt sich die lyrische Unbequemlichkeit auch in der Album-Struktur wieder. Finde dies völlig legitim.

    Zusammenfassend kann man also von einem mutigen und wichtigen Kettcar Album sprechen und dies, hätte ich der Band nicht mehr zugetraut, auch wenn ich es mir gewünscht habe.

  3. Jan on 06.05.08 at 21:57

    Ach ja…völlig überflüssig ist ja mal der Albumtitel:
    “Ein kurzer, prägnanter Titel, der mit dem Inhalt des Albums nichts zu tun hat.”
    Zum Glück waren die Jungs in allen anderen Belangen kreativer!

  4. benedikt on 07.05.08 at 18:29

    Was wäre denn ein passenderer Albumtitel gewesen?

  5. krisztina on 07.05.08 at 19:47

    ich mag das ganze album und vorallem GRACELAND, sowie den Titel und am allerbesten finde ich das Cover, natürlich ;)

  6. Jan on 08.05.08 at 08:27

    @Benedikt: Ein Albumtitel ohne sich dabei etwas zu denken? Muss man das gut finden oder gar verteidigen? Finde diesen aufgesetzt trotzigen Gestus ziemlich lahm, vor allem wenn man musikalisch und lyrisch ein derartig hochwertiges Album eingespielt hat.

    Außerdem disqualifiziert der Name “Sylt” sich schon direkt durch Die Ärzte “Westerland” Assoziation.

  7. benedikt on 21.05.08 at 12:12

    “Wir haben uns vorgenommen Hamburg solange zu bespielen wie Hamburg uns sehen will und dabei sind diese 8 Konzerte rausgekommen” –
    Video zu Nullsummenspiel. Toll.

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