Thrice: Elementarteilchen

1.jpgIn diesen Tagen schließen Thrice das bislang ehrgeizigste Projekt ihrer Bandgeschichte ab: Mit nicht weniger als einer EP-Collection über die vier Elemente wollte die kalifornische Band ihre beeindruckende Diskografie bereichern. Ein Vorhaben, dass mich vollends Zerrissen zurücklässt.

Mit The Alchemy Index entfernt sich die Band derart weit von ihren Post-Hardcore-Wurzeln, dass man getrost von einer Neuerfindung sprechen kann. Als Liebhaber von Illusion Of Safety oder The Artist In The Ambulance kommt man da nicht weiter. Eher das missglückte (*duck*) esoterisch angehauchte Vheissu wies den Weg. Entsprechend reserviert nahm ich die Nachricht auf, dass das neuerdings offensiv spirituell auftretende Mastermind Dustin Kensrue mit seiner Band also noch einen draufsetzen wollte.

Die erste der beiden ‘elementaren’ Doppel-EPs Fire & Water hinterließ mich dann im vergangenen Herbst auch eher frustriert als begeistert. Wo war die Band geblieben, die mir eines der bis heute arschtretendsten Live-Erlebnisse meines Lebens beschert hatte? Stattdessen, erging man sich in neuen Gedanken- und Klangwelten, entdeckte völlig neue musikalische und inhaltliche Ansprüche.

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Selbstverständlich ist das erstmal nichts negatives. Vielmehr, dass offenbar keinerlei Interesse bestand, das Publikum auf die Reise mitzunehmen, stieß mir sauer auf. Trotz der Abkehr vom Major Island und der Rückkehr in die Independent-Arme der geschätzten Kollegen von Vagrant wirkte das ganze Projekt irgendwie abgehoben. Die schlecht kommunizierte Veröffentlichungspolitik (erst waren vier Einzel-EPs geplant, dann erschienen die ersten beiden Teile mit insgesamt knapp bemessener Spielzeit als Doppel-CD zum ziemlich amtlichen Preis), eine abgesagte und nie nachgeholte Europatour – das alles wirkte irgendwie ‘kundenunfreundlich’, erinnerte bisweilen gar an die inzwischen völlig abgehobenen Coheed & Cambria.

Was also anfangen mit dem Alchemy Index? Nach dem ersten Hören des finalen Air & Earth bin ich doch wieder eher motiviert und neugierig. Ohne externen Produzenten und auf teilweise sehr unorthodoxe Weise (im Wohnzimmer nur mit zwei Stereomikrofonen, im Freien zwischen im Wind rauschenden Herbstlaub…) geht es hier noch weiter weg von den alten Thrice. Zurückgenommen, beinahe leise, bedrückend und alles andere als explosiv. In seiner gesamten Pracht bin ich trotzdem gewillt, mich an die jetzt vollständigen 24 Elementarteilchen heranzupirschen – notfalls auch von hinten!

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