Retro-Soul: Ein Phänomen!

18.04.08

wine2Vor einigen Jahren war Soul traditioneller Schule noch ein reines Liebhaberding, die Suche nach raren 7″ Singles die Königsdisziplin der Plattendigger und die Gesichter auf Northern Soul Nightern immer die selben. Mit dem Erfolg der tragisch-komischen Königin der Yellow Press hat sich die Aufmerksamkeit für traditionelle Soul Produktionen über Nacht in den Mainstream verlagert.

Amy Winehouse sollte man jedoch nicht an ihren, nicht aufhören wollenden Eskapaden und Semi-Abstürzen messen. Ihr Album Back to Black vereint sensationelle soulful Smasher, die durch ihre schier außerirdische Stimme veredelt werden. Zahllose Preise und Chartplatzierungen in aller Welt sind die logische Schlussfolgerung der These, dass sich Qualität eben doch unabhängig von bestehenden Trends durchsetzt. Mittlerweile ist Retro-Soul aber nicht nur salonfähig geworden, sondern selbst zu einem umsichgreifenden Trend mutiert, denn die üblichen Mechanismen der Musikindustrie haben längst gegriffen. Die Nachfolge Acts betreten die Bühne. Mit ähnlichem Sound und vergleichbarem Erfolg.

Selbst Stefan Raabs Alternative zu den einschlägigen Casting Show Katastrophen hat mit Stefanie Heinzmann eine 19jährige als Siegerin gekürt, deren musikalischen Präferenzen eindeutig im traditionellen Soul-Genre liegen. Ihre erste, stark an einige Motown Klassiker angelegte Single My Man Is A Mean Man hielt sich mehrere Wochen lang in den in den luftigen Höhen der deutschen Charts, von den Verkaufszahlen der Winehouse einmal ganz abgesehen. Ihre Auskopplungen sind seit Monaten nicht mehr aus Radio und Fernsehen wegzudenken. Es ist immer wieder beeindruckend, wie periodisch und zeitlich begrenzt, bestimmte Strömungen aufgespürt, kommerzialisiert, vermarktet und letztlich bis zum bitteren Ende ausgequetscht werden. Bis dahin kann allerdings noch der ein oder andere Supremes-a-like Hit im Radio durchgenudelt werden. Die duffyneueste Kandidatinnen hören auf die eingängigen Namen Adele und Duffy. In dem Video zur Single Mercy der letzgennanten wird noch gleich der passende Look zum Sound mitgeliefert. Es würde mich nicht wundern, wenn man in naher Zukunft öfters zugeknöpfte Perry-Polos sieht. Inzwischen belegt Duffys Mercy die Spitzenposition der deutschen Single-Verkäufe und hat ein gewisses Klingelton-Desaster von der selbigen verdrängt. Natürlich benötigt man durch sinkende Absatzzahlen nicht mehr die gleiche Menge verkaufter Singles wie noch vor 10, 15 Jahren und dennoch ist ein derartiger Bedarf an Retro-Soul schon beachtlich und faszinierend. Solange die Qualität entsprechend hoch ist, könnte ich mir viel, viel Schlimmeres vorstellen.

 

Duffy´s Nr.1 Video Mercy



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One Response to Retro-Soul: Ein Phänomen!

  1. Jörg on 26.04.08 at 11:35

    Wobei auch das erste Album FRANK von Amy Winehouse nicht in Vergessenheit geraten sollte, denn dies ist auch exzellent. Stilistisch eher jazzy, ein Tacken HipHop, ist die Platte vor allem nicht so krass komprimiert wie BACK TO BLACK. Denn das Album ist wirklich ein Negativbeispiel für extreme Lautheit, da sind zum Teil wirklich digitale Verzerrungen zu hören.

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