Rocky Votolato LIVE @ Rex Kino Köln
Was für eine Massierung Glückseligkeit versprechender Ereignisse: Die letzten Stars-Klänge noch im Ohr geht es keine 24 Stunden später zu Rocky Votolato. Dreieinhalb Jahre nach seinem ersten offiziell verzeichneten Abstecher in unsere Lande ist das Interesse an den Live-Künsten des ehemaligen Waxwing-Frontmanns riesig. Fast jedes der 9 Deutschland-Dates ist ausverkauft und/oder wurde in größere Venues verlegt. Beides gilt auch für sein Kölner Gastspiel, das obendrein aber ein besonderes zu werden versprach. In ein Kino lud Veranstalter Underdog Records - ein Mann, seine Gitarre und 500 plus X Menschen in Sesselatmosphäre lautete die Zauberformel.
Der große Saal des Rex Kino am Ring ist schnell gefüllt, das Licht geht aus… und es laufen erstmal Filmtrailer! Nach der obligatorischen Eiswerbung (sic!) geht’s endlich los. Votolato entert die ‘Bühne’ - und wirkt dabei so unscheinbar, dass das Publikum nicht recht weiß, ob er es überhaupt ist. Er ist es. Eine Stimme, eine Akustik-Klampfe und eine Mundharmonika - es braucht keine 3 Songs, um zu erkennen: Dieser Abend wird wahrhaftig großes Kino. Die Setlist ist ein Rundum-Sorglospaket quer durch die drei letzten Alben, angereichert mit einer handvoll ‘Frühwerke’, Raritäten und sogar einem Waxwing-Song.

Wie so häufig bei Musik der leisen Töne und Künstlern, die nicht von ihrer ‘Dicke-Hose-Bühnenpräsenz’, sondern von ihren Werken leben, sind es die kleinen Momente und Explosionen, die verzaubern. So zum Beispiel das fast schüchterne Bekenntnis Votolatos zu einer intimen Vorliebe. “This ist he first protest song I ever wrote”, kündigt Votolato ‘Automatic Rifle‘ an um ganz ohne revolutionärem Pathos hinzuzufügen: “These kind of songs are very important (…) more people should write protest songs.” Oder das kurze Gastspiel der E-Gitarre samt gänsehaut-erregendem Stimmvolumen. Ein wahrer Lieblingsmoment folgte zum Ende des Sets. Ob irgendjemandem noch ein Song fehlen würde, fragte Votolato. ‘Streetlights’ lautete ein Vorschlag. Er überlegt kurz und greift den Wunsch spontan auf – eine ungeprobte Herausforderung, die zum heimlichen Highlight avancierte, nicht zuletzt, weil Votolato einen Riesenspaß hatte.
Nach 70 Minuten verlässt Votolato beinahe entschuldigend die Bühne, er hat einfach nicht mehr in petto. Obligatorische Standing Ovations begleiten ihn und doch herrscht bei allen Beteiligten ein leichter Nebel über der völlig gerechtfertigten Euphorie. Zerrissenheit im Kinosessel könnte man die Stimmung fassen. Denn das atmosphärische Plus des Experiments Kino hat nicht nur das Publikum sondern irgendwie auch die Emotionen an die Sitze gefesselt. Also schnell noch die exklusive Tour-Seven-Inch ‘End Like This‘ geschnappt (in minimaler Stückzahl auch bei Second Nature Recordings erhältlich), ab nach Hause und lauthals mit ‘unserem Rocky’ mitgesungen!

