TON: Wir haben die Zeit sie uns zu nehmen

25. Januar 2008, von benedikt
Das Allerschlimmste, das es gibt
sind Ex-Punkbands, die heute Popsongs
spiel’n und dir die Welt erklären — (Kettcar)

Ist das wirklich das Allerschlimmste? - Keineswegs.

Viel schlimmer ist es da, das Gefühl zu haben sich für seine Art Musik zu machen rechtfertigen zu müssen. Zum Beispiel wenn man vom Punk zum Pop gekommen ist - wie der Sänger von TON.

Ton - Wir haben die Zeit sie uns zu nehmen10 Jahre lang war Tobias Röger Frontman der Provinzpunkrockband The Wohlstandskinder. Da mag sein neues Projekt für manche engstirnigen WSK-Fans befremdlich wirken: Mit seiner neuen Band TON verabschiedet er sich vom alten Sound und setzt sein Songwriting konsequent fort: Zu gefälligem, emotionalem Pop.

Darf der das? Ja klar! Gefällt das auch? Joa, durchaus.

Die Platte “Wir haben die Zeit sie uns zu nehmen” wartet mit eingängigen, poppigen Melodien auf, bei denen sich zu dem klassischen Dreigespann aus Gitarre, Bass und Schlagzeug auch Rögers Klavier gesellt. Gesungen wird unter anderem über das Älterwerden, Abschiednehmen, Konsumieren, Nostalgieren und natürlich das Ver- und Entlieben. Stellenweise untermalt von Streichern und Bläsern gibt es viele ruhige, oft leicht melancholische Songs und hier und da echtes Ohrwurmpotential.

So hoch lobende Worte wie Oliver Uschmann (Visions, “beste Mainstream-Pop-Musik, die jemals den Mainstream verfehlte“) finde ich zwar nicht für die Platte, aber alles in allem ist es ein solides Album, das mir besonders in der ersten Hälfte recht gut gefallen hat. TON beweist Mut und zeigt wieder einmal das deutschsprachige Popmusik entgegen aller Vorurteile nicht zwangsläufig kitschig, peinlich und schlecht ist. Da bleibt es nur noch viel Erfolg zu wünschen - denn ein zweites Album des Trios wäre sicher spannend.

Aber erstmal präsentiert die Band ihr aktuelles Werk live. Unter anderem am 29.02. im Pretty Vacant in Düsseldorf.

Weitere Infos über TON, Hörproben und Bestellmöglichkeit für die selbstständig produzierte und vertriebene CD gibt es unter www.ton-band.de.

4 Kommentare
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  1. Habe reingehört und mir das Album bei iTunes gekauft.
    Gefällt mir, auch wenn’s stellenweise etwas arg melancholisch ist! Aber trotzdem: Lange nicht mehr so schönen Deutschpop gehört :).
    Danke!

  2. Haut mich jetzt nicht um, klingt wie so ne Mischung aus Kim Frank (der nun wirklich nicht mein Fall ist, obwohl Echt schon irgendwie kultig sind) und kettcar (”hallo realität” klingt auch so als hätte ich zumindest das Textprinzip schonmal auf einem kettcar-album gehört)…und sonst, vor längerer Zeit hab ich auch mal ein bischen Wohlstandskinder gehört, das verwirrt umso mehr. Also bei nem 12jährigen, der nen bischen im Mainstreampunk rumhört, damit er sich wenige Jahre später im Deutsch-Pop wiederfindet (so wie bei mir), nachvollziehbar, aber vom wirklichen Punk, der plötzlich mitten in der Popszene steckt, das ist doch ein wiederspruch. Nicht “Das Allerschlimmste” aber verwirrend

  3. Das vorrangehende Zitat von Kettcar dürfte kaum ernst gemeint zu sein, eher sehr ironisch, immerhin ist Kettcar genau solch eine Band, die aus einer Punk-Band (…But Alive) entstanden ist und jetzt deutschen Pop macht.

  4. Arndt: Ach ne. Schonmal vom Lied “Wieso eigentlich Indie-Charts, Digger?” gehört?

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