Mashup Culture und Banned Music…

04.01.08

oder: (Musik-)Kultur im Umbruch am Beispiel Danger Mouse und DJ BC.

Grey Album

2004 entfachte ein DJ unter dem Namen Danger Mouse einen Aufsehen erregenden Rechtsstreit: Er hatte Instrumentalversionen vom weißen Album der Beatles genommen und diese mit Acapellaversionen vom Schwarzen Album des Rappers Jay-Z gemixt – heraus kam dabei das Graue Album, unlizensierter Bastard-Pop. Hörprobe und mehr nach dem Klick auf “Weiterlesen”.

Beastles - Let it Beast

Ein weiteres schönes Beispiel ist DJ BC, der mit einem Mashup aus Beatles und Beasty Boys die Beastles schuf. Zwei komplette Alben mit sehr tanzbaren Liedern, die beim Hören einfach Spass machen.

Hörprobe:
Zunächst lediglich für den Heimbedarf geschaffen, erlangten diese Alben schnell weit reichende Bekanntheit. Die Major-Labels, welche die Rechte an den zugrunde liegenden Liedern verwalten, sahen diese musikalischen Neuschöpfungen aber äußerst ungern. Sie erwirkten einstweilige Verfüngen und nun ist diese Musik illegal: Banned Music, welche nur über P2P Tauschbörsen erhältlich ist.

Mashup-charts.com bietet einen guten Einblick, in aktuellere, weniger professionelle Audio/Video Mashups: Die Spannweite reicht von total grässlichen Versuchen bis hin zu recht guten und interessanten Remixen.

Das ganze muss nicht jedermans Geschmack sein, meiner ist es auch nicht unbedingt. Ich finde es nur wichtig zu merken dass hier etwas passiert, das unseren Umgang mit Kulturgütern fundamental verändert: Die Technik und der Umgang mit ihr haben das existierende Recht und annerkannte Urheberrechts-und Lizenz-Vorstellungen längst überholt. Jahrzehntelang funktionierende Vertriebs- und Verwertungsmodelle werden überflüssig oder zumindest stark reformbedürftig.

Danger Mouse veröffentlichte dann übrigens im Jahr 2006 mit dem Sänger Cee-Lo Green unter dem Namen Gnarls Barkley den Song Crazy, der nur im Internet angeboten wurde aber dennoch weltweit die Spitze der Charst erreichte.

Einen interessanten Einblick über den aktuellen Stand von “Copyright & Culture in the context of the Internet” bietet der Dokumentarfilm Good Copy, Bad Copy.

Good Copy Bad Copy

P.S.: Das Digital ‘Restrictions’ Management, ein Hindernis beim Kreieren neuer Mashups von den Konsumenten nicht akzeptiert wird, hat nun wohl auch der letzte Major eingesehen und wird in Zukunft auch DRM-freie mp3s zum Kauf anbieten – vielleicht müssen die Majors ja auch in 5-10 Jahren unter Creative Commons Lizenzen veröffentlichen um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden…

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3 Responses to Mashup Culture und Banned Music…

  1. Jan on 05.01.08 at 17:09

    Interessant…
    Aber Danger Mouse (Don´t believe the hype!!!) hin und her.
    Die Könige waren und sind immer noch Soulwax / 2 Many DJ´s:
    The Stooges – No Fun vs. Salt’n Pepa – Push It

    Besser geht es nicht!

  2. benedikt on 05.01.08 at 17:43

    Der Unterschied ist halt, dass Soulwax ihren Bastard-Pop kommerziell veröffentlichen und vor allem: lizenzieren.
    Das ist gar nicht so einfach, frag mal The Legion of Doom wie das bei ihrem Album Incorporated war…

  3. jan on 05.01.08 at 21:29

    Soulwax haben sich damals mit Radio Soulwax und dem gespielten Bastard Pop ebenfalls ziemlich die Finger verbrannt, soviel ich weiß. Daher ist es wohl auch kein Wunder, dass diese sich von der inoffiziellen Bootleg Serie “As heard on Radio Soulwax” distanzieren. Das dann später die physikalischen Tonträger lizensiert waren, ist insofern kaum verwunderlich. Soulwax als Hauptband machen ja nur noch offizielle Remix Auftragsarbeiten.

    Gnarls Barkley haben übrigens mit Crazy auch als physikalische Tonträger Single die Spitzenpositionen der Charts belegt, daher ist deine Aussage so nicht richtig.
    Das Danger Mouse durch den ganzen Rechtsstreit ne riesen Promo hatte und heute als einer der hippsten Producer elektronischer Musik gilt und sich ne goldene Nase verdient hat, sollte an dieser Stelle nicht unterschlagen werden.

    Dennoch hast du natürlich recht. Das ganze Mashup Ding inklusive Rechtsverletzungen und Gerichtsverfahren, ist eine interessante Randnotiz in der Abwärtsspirale in der die Plattenindustrie sich befindet.

    Um aber dennoch meine subjektiven Präferenzen darzulegen:

    2 Many DJ´s: The Stooges – No Fun / Salt’n Pepa – Push It

    …und zum schmunzeln. Voll die Frischzellenkur für die Wut..
    2 Many DJ´s vs. RATM

    Ich steh drauf. Raw!!!

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