Interview: Senore Matze Rossi

Nach 13 Jahren Punkrock mit ‘Tagtraum’ begab sich Matthias Nürnberger 2004 auf Solopfade. Als Senore Matze Rossi veröffentlicht er bald sein mittlerweile drittes Album namens ‘und wie geht es deinen Dämonen?’ – wie immer in Eigenregie. Zur Unterstützung hat sich der Singer/Songwriter allerdings mittlerweile eine Begleitband ins Boot geholt. Die am 14. Dezember erschienene ditigale EP “Ich hoffe dass du findest was du suchst” gibt einen kleinen Vorab-Eindruck.

In einem Interview spricht Jan mit dem alten DIY-Hasen Matze über Labelpolitik, die Authentizität seiner Texte und natürlich das neue Album.

Jan (Alles ist Pop): Unser e-Zine „Alles ist Pop“ steht ganz in der Fanzine Tradition und ist ergo durch D.I.Y Mentalität und dem Wunsch, Dinge die man gut findet zu unterstützen, geprägt. Du bringst ja schon lange Platten über dein eigenes Label Dancing In The Dark raus und auch dein neues Album “…Und wie geht es deinen Dämonen?” erscheint ja Mitte Februar in Eigenregie. Ist und war das ganze aus der Not geboren oder war der Grund eigenständig die Fäden in der Hand zu haben ausschlaggebender? Auf deiner Myspace Seite heißt es ja: maybe D.I.Y. till death! Das klingt nach einer Mischung aus Ironie und Trotz…

Matze: Erstmal vielen Dank für das Interesse ein Interview mit mir zu machen, freut mich sehr. Eine Mischung aus Trotz und Ironie? Das kann ich unterschreiben. Ich bin ja aktiv mit Punkrock groß geworden. In dieser doch sehr selbstorganisierten Szene wird D.I.Y. ja großgeschrieben denn wenn es nicht die Strukturen und Kanäle für die Sachen gibt die man liebt oder machen will, dann schafft man sie sich selber. So bleibt alles bei den Guten und man hat die Kontrolle.

Sicher haben ich auch eine Hand von Labels angeschrieben mit denen ich evtl. gerne zusammengearbeitet hätte aber entweder kamen die Antworten viel zu spät, oder es waren klare Absagen oder zu unerträglich schlechten Konditionen. Im Nachhinein bin ich aber sehr froh dass ich es wieder selber mache.

Es ist kein großes Geheimnis, dass die Zeit der klassischen Plattenlabel sich dem Ende zu neigt. Deine neue Ep “Ich hoffe, dass du findest was du suchst…” erscheint erstmals exklusiv nur in digitaler Form via den bekannten Download-Anbietern. Dies polarisiert doch sicher, da es doch viele Leute gibt, die das schnelle und bloße Konsumieren von Musik eher ablehnen…Wie siehst du das?

Polarisieren sehe ich für mich ja fast schon als Aufgabe an, von daher finde ich es schon mal gut eine reine DownloadEP zu machen. Ich erinnere mich wie die CD das Vinyl verdrängt hat, und alle aufgeschrieen haben, also kein Grund der Compact Disc jetzt nachzuweinen, oder? Auf meiner Seite gibt es zu der EP ein Cover zum Ausdrucken und Bastelspaß. Denn auch ich liebe es etwas in der Hand und zum Mitlesen zu haben wenn ich wenn ich mir neue Musik kaufe. Aber das Problem das die Musik ein schnelles und bloßes Konsumobjekt geworden ist sehe ich eher bei den Konsument und nicht an der Tonträgerart. Vinyl würde ich liebend gerne machen, kann es mir aber leider nicht leisten, wenn ihr also wen kennt, gerne.

“…Und wie geht es deinen Dämonen?” wurde ja mit Begleitband eingespielt, die dich auch fest auf Tour begleitet. Dies hat doch sicher Auswirkungen auf die Songs gehabt. Müssen wir musikalisch jetzt einen „neuen“ Matze Rossi erwarten?

Zum einen wollte ich mich mit meiner neuen Platte nicht wiederholen. Alles muss sich ändern und bewegen wenn man nicht will dass man stagniert oder überrollt wird. Kurz nach „Und wann kommst du aus deinem Versteck“ spielte ich mit dem Gedanken die Zweite Platte sehr elektronisch zu gestalten und Beats und Instrumente zu programmieren. Als ich dann die ersten Konzerte mit der Verstärkung durch die Band gespielt hatte war aber schnell klar das ich das neue Album mit eben dieser Band aufnehmen wollte und bin heute wahnsinnig glücklich mit der Entscheidung. Es wird also sehr viel Neues und zu hören sein und trotzdem ist und bleibt der Liedkern Gesang/Text und Akustikgitarre. “Und wie geht es deinen Dämonen?” ist ein Platte wie ich sie immer wollte.

Am 14.02. supportest du ja in Bremen den großartigen Rocky Votolato. Für mich eine fantastische Kombination. Hörst du selbst privat viel Musik und dann auch eher Singer/Songwriter Geschichten?

Auf das Rocky Votolato Konzert im Februar freue ich mich mehr als mehr, das wird super. Schon Waxwing hat mich mehr als einmal gerissen und die Soloalben sind auch ganz weit oben. Zu Hause höre ich die unterschiedlichsten Sachen. Von Crust/Grind, Hardcore, Punk, Indie zu Singer Songwriter Sachen bis zu Elektrosachen, ich baue mir da selber keine Stilschranken auf, was gefällt das gefällt.

Deine Texte wirken auf mich immer sehr persönlich und gewinnen durch diese emotionale Nähe zum Hörer aber unglaublich an Authentizität. Fällt es dir manchmal schwer nicht zu viel von dir selbst preiszugeben?

Im Grunde genommen fällt es mir nicht schwer viel von mir preiszugeben, ich denke auch nicht besonders viel darüber nach, das passiert einfach so. Ich mache das halt so und fühle mich gut damit. Ich bin mir aber auch bewusst das ich mit den offenen Texten durchaus eine große Angriffsfläche biete, fühle mich aber nicht unbedingt wehrlos damit. Lieber schreibe ich ein Lied darüber und verarbeite diese Thematik wie in „Ich lasse mir nichts mehr nehmen“, einem neuen Lied, des bald erscheinenden Albums. Darin zitiere ich Dirk von Lowtzows großartige Worte, die in dem Fall alles sagen und können, „es gibt nur cool und uncool und so wie ich mich fühle“.

Hängt dir das Etikett „Der Sänger von Tagtraum“ immer noch nach und wenn, betrachtest du das eher als Fluch oder Segen? Gibt es immer noch „Szenepolizisten“ die dir das Leben schwer machen? Ist nicht eigentlich ein Unding, dass sobald man persönliche Texte in deutscher Sprache formuliert, immer noch einige Kleingeister den Joker aus der Tasche ziehen und irgendwelche -teils aus der Luft gegriffenen- Querverweise zu bestimmten Bands anführen, die meist aus Hamburg kommen? Ärgert dich das?

Das Etikett Tagtraum wird mich wohl immer begleiten, ich möchte meine Vergangenheit ja auch nicht einfach so wegwischen, meine Ex-Band Tagtraum war ja auch nichts wofür man sich schämen müsste. Von daher ist das schon OK. Aber sicher, manchmal nervt es natürlich wenn man nur darauf reduziert wird was man mal gemacht hat und nicht gesehen wird was man gerade macht, aber das kommt zum Glück nicht so häufig vor. Ach ja und Querverweise zu Bands aus welchem Land auch immer sind mir im Großen und Ganzen egal.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für 2008. Du bist einer von den Guten und wir sind gespannt auf das neue Album!!!

Links:


Tags: , , , ,

2 Responses to Interview: Senore Matze Rossi

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*